Ex-Kanzlerin in Nürnberg
Merkel: „Ich war ein rustikales Kind“
Aktualisiert am 22.04.2026 – 20:12 UhrLesedauer: 3 Min.

Angela Merkel zu Besuch in Nürnberg: Ihre Lesung im Opernhaus ist eine kleine Zeitreise mit Überraschungen und pikanten Anekdoten.
Während vor dem Opernhaus die 75 Teilnehmer der rechten Montagsdemo die Deutschlandflaggen hissen und auf die Politik schimpfen, sitzt drinnen ihr wohl größtes Feindbild: Angela Merkel. Die Ex-Bundeskanzlerin war am Montag zu Besuch in Nürnberg und las am Abend aus ihren Memoiren „Freiheit“.
Es fühlt sich an wie eine kleine Reise in die Vergangenheit, als Merkel die Bühne betritt: Sie sieht aus wie immer – ein blaues Jackett mit dunkler Hose und Halskette. Diese typische Handbewegung zur Begrüßung – wie jeher. Da ist dieses verschmitzte und fast schon schüchterne Lächeln beim „Hallo“. Der proppenvolle Saal klatscht ehrfürchtig, das Publikum ist gemischt aus Stadtpolitikern und Bürgern. Die Karten für die Veranstaltung, die von der Buchhandlung Jakob organisiert wurde, waren innerhalb von Stunden vergriffen. Unaufgeregt setzt sich Merkel auf ihren Stuhl auf der bewusst karg gehaltenen Bühne. Hinter sich auf zwei Bannern ihr Konterfei – es unterscheidet sich optisch kaum vom lebenden Original. „Also“, richtet sie ihren Blick zum applaudierenden Publikum, „Dann woll’n wir ma'“. Da ist sie wieder, ihre trockene, pragmatische Art.
Als sie dann beginnt, Ausschnitte aus ihrem rund 735 Seiten umfassenden Buch vorzulesen, wird schnell deutlich, dass sie diese Art schon immer in sich trug. Sie gibt Einblicke in ihre Kindheit als Pfarrerstochter in der DDR. Sie sagt: „Ich war ein rustikales Kind.“ Denn sie trank schon mal aus der Hühnertränke oder aß eine ungewaschene Karotte frisch aus der Erde. Außerdem – so scharwenzelt die heute 71-Jährige – sei ihr ja gelegentlich nachgesagt worden, manchmal nicht zu Potte zu kommen. „Und vielleicht gab es Hinweise darauf auch schon in meiner Kindheit.“
Es ist dieser trockene Humor, der das Publikum in den folgenden anderthalb Stunden an ihren Lippen hängen lässt. Dazu noch eine Portion Selbstironie und -reflexion. Die Stimmung im Saal: ehrfurchtsvolle Stille, aber auch häufig Lacher. Später beim Hinausgehen werden sich die Zuschauer unterhalten und sie als nahbar und autoritär zugleich beschreiben.












