Kritik an hohen Gebühren
Altersvorsorge: Klingbeil offen für schärfere Kostenregeln
26.02.2026 – 13:24 UhrLesedauer: 3 Min.
Die Lehre aus Riester ist klar: Zu hohe Gebühren kosten Vertrauen – und Geld. Beim neuen Altersvorsorge-Depot soll nun vieles besser werden.
Das neue Altersvorsorge-Depot soll die private Vorsorge einfacher und attraktiver machen. Doch schon vor der ersten Lesung im Bundestag steht ein zentraler Kritikpunkt im Raum: die Kosten. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) signalisiert nun Gesprächsbereitschaft. Er gehe davon aus, dass die geplante Kostenbremse im Parlament noch einmal nachgeschärft werde, sagte er im Gespräch mit „Finanztip“-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen.
Verbraucherschützer warnen seit Monaten: Wenn Gebühren und Verwaltungskosten zu hoch ausfallen, fressen sie Rendite und staatliche Zuschüsse auf. Wird das neue Depot also zum echten Neustart – oder wieder zu einem teuren Kompromiss?
Klingbeil will mit dem Altersvorsorge-Depot „einen Kulturwandel“ anstoßen. Mehr Menschen sollen privat fürs Alter vorsorgen. Der Gesetzentwurf sieht für das verpflichtende Standardprodukt bislang einen Kostendeckel von 1,5 Prozent pro Jahr vor.
Genau hier liegt der Streitpunkt. „Mehrere Parlamentarier aus unterschiedlichen Fraktionen haben mir bereits gesagt: Den Punkt schauen wir uns noch einmal genau an“, so Klingbeil im Gespräch mit Tenhagen sowie weiteren Journalistinnen, Journalisten und Finanz-Influencern. „Jetzt liegt es am Parlament.“
„Finanztip“ hält die Obergrenze für deutlich zu hoch. „1,5 Prozent Kosten gefährden den zentralen Vorteil des neuen Modells“, warnt Tenhagen. Bereits im September 2025 forderten die Finanzexperten in einem Positionspapier eine Begrenzung auf maximal 0,5 Prozent jährlich. Nur mit niedrigen Kosten ließen sich staatliche Zuschüsse effizient einsetzen, so Tenhagen.
Auch die Förderung steht in der Kritik. Verbraucherschützer bemängeln die komplexen Bedingungen. Klingbeil dämpft Erwartungen auf eine grundlegende Vereinfachung. „Das Geld für eine einheitliche großzügigere Förderung fehlt“, sagte er mit Verweis auf die Haushaltslücke von rund 60 Milliarden Euro im Jahr 2028.
Warum scheiterte Riester für viele? Vor allem hohe Abschluss- und Verwaltungskosten schmälerten die Rendite. Oft blieben im Alter Auszahlungen von unter 100 Euro im Monat. Gleichzeitig bremste die vorgeschriebene Beitragsgarantie renditestärkere Anlagen aus.
Hinzu kam die Komplexität: Förderregeln, Steuerfragen und Vertragsdetails überforderten viele Sparer. Wer in finanzielle Engpässe gerät oder seine Lebensplanung ändert, kündigt häufig – und musste dann sogar erhaltene Förderungen zurückzahlen.












