Verzicht ist meist besser
Alkohol und Antibiotika – bei gewissen Wirkstoffen riskant
Aktualisiert am 15.09.2026 – 09:11 UhrLesedauer: 3 Min.
Wer Antibiotika nimmt, darf keinen Alkohol trinken? Jein: Ob Alkoholkonsum während der Behandlung zu meiden ist, hängt vom Antibiotikum ab.
Antibiotika sind Medikamente, die bakteriellen Erkrankungen entgegenwirken – zum Beispiel durch Bakterien ausgelösten Infekten der Harnwege, Lungen oder Mandeln. Jedes verfügbare Antibiotikum hilft nur gegen bestimmte Bakterien. Deshalb wurden viele antibiotische Wirkstoffe entwickelt, die je nach Art des jeweils ursächlichen Bakteriums zum Einsatz kommen können.
Antibiotikum ist also nicht gleich Antibiotikum: Es gibt inzwischen mehr als 15 Stoffklassen, die sich in ihrem chemischen Aufbau und ihrer Wirkungsweise unterscheiden. Verschieden sind somit auch die Regeln, die es bei der Einnahme zu beherzigen gibt – etwa im Hinblick auf Alkohol.
Ob Alkoholkonsum im Rahmen einer Antibiotikatherapie riskant ist, hängt aber nicht nur vom genauen Medikament ab. Die Erkrankung und die sonstige gesundheitliche Verfassung der erkrankten Person spielen ebenfalls eine Rolle. Wer ein Antibiotikum verschrieben bekommt, sollte daher zunächst mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen, ob es vertretbar ist, während der Behandlung Alkohol zu trinken – und wenn ja, wie viel.
Antibiotika und Alkoholkonsum – wann Beschwerden drohen
Bei bestimmten Antibiotika ist Alkohol tabu, bei anderen lässt sich auf Basis der Fachliteratur keine eindeutige Empfehlung aussprechen. Entscheidend ist, welches Präparat eingenommen wird:
- Isoniazid, ein Tuberkulosemittel
- Ethionamid, ebenfalls ein Medikament gegen Tuberkulose
- Cotrimoxazol, eine Kombination aus den Wirkstoffen Trimethoprim und Sulfamethoxazol, mit der zum Beispiel einige Atemwegsinfektionen behandelt werden
- bestimmte Cephalosporine, darunter Cefotetan und Cefoperazon
- Metronidazol, das etwa gegen bestimmte Infektionen des Magen-Darm-Trakts und der Scheide helfen kann
- Linezolid, welches bei bestimmten Infektionen der Lunge sowie bei schweren Haut- und Weichteilinfektionen eingesetzt wird
Je nach Mittel birgt die Kombination mit Alkohol unterschiedliche Risiken. Bei einigen Antibiotika besteht das Problem darin, dass sie die Leber schädigen können. Trinkt die oder der Behandelte zusätzlich Alkohol, wird die Leber noch stärker belastet, und es kann zu Leberschäden bis hin zur Entzündung (Hepatitis) kommen. Darum ist beispielsweise davon abzuraten, während einer Therapie mit Isoniazid oder Ethionamid Alkohol zu konsumieren.
Während der Einnahme bestimmter Cephalosporine wie Cefotetan und Cefoperazon ist Alkohol aus einem anderen Grund zu meiden: Es kann sonst zu einer Disulfiram‑ähnlichen Reaktion kommen – so nennen Mediziner Beschwerden, die auftreten, wenn der Körper Alkohol nicht wie üblich abbaut. Dazu zählen Hautrötung, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Schwindel, Herzrasen und ein Abfall des Blutdrucks.
Der Name geht auf Disulfiram zurück, einen Wirkstoff, der mit Antibiotika eigentlich nichts zu tun hat. Vielmehr kommt er bei Menschen mit Alkoholgebrauchsstörung zum Einsatz, die eine erzwungene Abstinenz anstreben: Disulfiram hemmt die Aldehyddehydrogenase (ALDH), das Enzym, das normalerweise das beim Alkoholabbau entstehende Acetaldehyd abbaut.
In der Folge reichert sich Acetaldehyd im Körper an, was die erwähnten Symptome auslösen kann. Diese wurden auch bei bestimmten Cephalosporinen als unerwünschte Arzneimittelwirkung beobachtet, wenn während der Therapie Alkohol konsumiert wurde. Daher ist von einer Disulfiram-ähnlichen Reaktion die Rede.
Für Metronidazol gibt es ebenfalls entsprechende Fallberichte. Es ist jedoch nicht eindeutig belegt, wie häufig eine echte Disulfiram‑ähnliche Reaktion unter diesem Wirkstoff auftritt. Kontrollierte Studien fanden keinen zuverlässigen Acetaldehyd‑Anstieg und keine eindeutigen Disulfiram‑Symptome, während andere Untersuchungen und Fallberichte über solche Reaktionen berichten. Die Ergebnisse sind somit widersprüchlich.











