Sterblichkeit im Krankenhaus

Ärztin oder Arzt – für den Behandlungserfolg nicht egal


31.10.2026 – 11:40 UhrLesedauer: 3 Min.

In Deutschland sind mittlerweile etwas mehr als die Hälfte der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte Frauen. (Quelle: Tempura/Thinkstock by Getty-Images-bilder)

Ob ein Patient im Krankenhaus von einer Ärztin oder einem Arzt behandelt wird, könnte sich auf seine Überlebenschancen auswirken. Das legt eine Studie nahe.

Wer mit einem Herzinfarkt oder einer Lungenentzündung ins Krankenhaus kommt, kann meist nicht entscheiden, ob sich dort eine Ärztin oder ein Arzt um ihn kümmert. Das spielt keine Rolle, schließlich kommt es auf die fachlichen Qualitäten an – oder?

Wissenschaftler in Kanada haben untersucht, ob das Geschlecht der behandelnden Person mit der Sterblichkeit von Patienten im Krankenhaus zusammenhängt. Den Ergebnissen zufolge gibt es durchaus Hinweise auf einen Unterschied.

Daten von fast einer Million Menschen analysiert

Ein Team um Angela Jerath von der Universität Toronto wertete Gesundheitsdaten von 958.150 Erwachsenen aus der kanadischen Provinz Ontario aus. Alle waren zwischen 2008 und 2022 wegen einer von sieben Erkrankungen ins Krankenhaus gekommen. Dazu gehörten Herzinfarkt, Schlaganfall, Lungenentzündung, Herzschwäche, Vorhofflimmern, eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) sowie Blutungen im Magen-Darm-Trakt.

Das mittlere Alter der Patienten lag bei 74 Jahren. Insgesamt waren 15.165 Ärztinnen und Ärzte an ihrer Versorgung beteiligt. Bei 259.759 Patienten (27,1 Prozent) hatte eine Ärztin den größten Teil der Behandlung übernommen, bei 698.391 (72,9 Prozent) ein Arzt.

Die Forscher prüften, wie viele Patienten innerhalb von 30 Tagen, 90 Tagen und einem Jahr nach der Krankenhausaufnahme gestorben waren oder erneut ins Krankenhaus mussten. Außerdem ermittelten sie, wie viele Tage der Behandlung jeweils auf Ärztinnen entfielen.

Bei diesen Erkrankungen war die Sterberate niedriger

Es stellte sich heraus: Je höher der Anteil der Behandlungstage war, an denen eine Ärztin zuständig war, desto niedriger lag das statistisch berechnete Sterberisiko innerhalb von 30 Tagen. Auch das Risiko einer erneuten Krankenhausaufnahme war im gleichen Zeitraum geringfügig niedriger.

Bei sechs der sieben untersuchten Erkrankungen zeigte sich dieser Zusammenhang. Lediglich bei Patienten mit Vorhofflimmern, einer häufigen Herzrhythmusstörung, spielte das Geschlecht des behandelnden Arztes offenbar keine Rolle.

Bei erneuten Krankenhausaufnahmen waren die Unterschiede wesentlich kleiner. Innerhalb von 30 Tagen lag die berechnete Rate bei 18,6 Prozent unter Patienten mit einer Ärztin als Hauptbehandlerin und bei 18,9 Prozent unter Patienten mit einem Arzt. Nach 90 Tagen ließ sich kein gesicherter Unterschied mehr feststellen. Nach einem Jahr waren erneute Einweisungen in der Gruppe mit Ärztinnen sogar geringfügig häufiger.

Liegt es an der Art, wie Ärzte behandeln?

Warum die Sterblichkeit unterschiedlich ausfiel, konnte die Studie nicht klären. Die Autoren vermuten, dass sich Ärztinnen und Ärzte in ihrem Umgang mit Patienten und bei medizinischen Entscheidungen unterscheiden.

Frühere Untersuchungen legen etwa nahe, dass Ärztinnen häufiger gemeinsam mit Patienten über Behandlungen entscheiden, mehr Zeit für Gespräche aufwenden oder sich stärker an medizinischen Leitlinien orientieren. Ob das bei den untersuchten Klinikaufenthalten tatsächlich der Fall war, wissen die Forscher jedoch nicht.

Sie berücksichtigten zwar zahlreiche Faktoren, darunter das Alter der Patienten, Vorerkrankungen, Gebrechlichkeit und die Fachrichtung der Ärzte. Dennoch könnten weitere Unterschiede die Ergebnisse beeinflusst haben. Hinzu kommt, dass im Krankenhaus meist ganze Teams für die Versorgung zuständig sind.

Share.
Die mobile Version verlassen