Briefporto 2027
Expertenrat kritisiert geplante Portoerhöhung scharf
Aktualisiert am 04.11.2026 – 10:24 UhrLesedauer: 2 Min.
Die Deutsche Post will den Standardbrief zum Jahreswechsel deutlich teurer machen. Ein Beratungsgremium der Bundesregierung hält die Erhöhung für nicht gerechtfertigt.
Die Monopolkommission wirft der zuständigen Regulierungsbehörde Bundesnetzagentur vor, zu viele Kosten der Post bei der Portoberechnung anzuerkennen. Das Beratungsgremium der Bundesregierung wirft der zuständigen Regulierungsbehörde Bundesnetzagentur vor, zu viele Kosten der Post bei der Portoberechnung anzuerkennen. Konkret plant die Post, den Preis für einen Standardbrief zum Jahreswechsel von 95 Cent auf 1,15 Euro anzuheben – eine Steigerung um rund 21 Prozent, die stärkste in der Geschichte des Briefportos. Die endgültige Genehmigung für das Porto der Jahre 2027 und 2028 steht noch aus. Neben dem Standardbrief sollen auch die Preise für Postkarten sowie Kompakt-, Groß- und Maxibriefe deutlich steigen.
Der Vorsitzende der Monopolkommission, Wirtschaftsprofessor Tomaso Duso, begründet die Kritik mit dem Lastenmechanismus: Bei der Portoberechnung darf die Post bestimmte Kosten, die sogenannten Lasten, geltend machen. Je mehr solcher Kosten die Bundesnetzagentur anerkennt, desto höher fällt das Porto aus, das sie freigibt. „Die Bundesnetzagentur erkennt zu viele Kosten der Deutschen Post als sogenannte Lasten an – die Folge ist ein überhöhtes Porto“, sagte er.
- „Bitte freimachen“: Kann ich einen Antwortbrief ohne Porto verschicken?
Die Monopolkommission empfiehlt der Bundesnetzagentur deshalb, strenger zu prüfen, welche Kosten tatsächlich berücksichtigt werden dürfen. Duso betonte: „Es sollte sichergestellt werden, dass Kundinnen und Kunden nur notwendige Lasten tragen.“ Außerdem warnte er davor, dass die Post über das Porto andere Geschäftsbereiche mitfinanzieren und damit kleinere Wettbewerber benachteiligen könnte. Die Postversorgung in ländlichen Gebieten wäre nach Einschätzung der Kommission durch eine strengere Prüfung nicht gefährdet.
„Fragwürdige Kostenpositionen“
Der Sozialverband Deutschland (SoVD) schloss sich der Kritik an und forderte die Bundesregierung auf, die Einwände der Monopolkommission ernst zu nehmen. Verbandsvorsitzende Michaela Engelmeier sagte: „Es kann nicht sein, dass Verbraucherinnen und Verbraucher für fragwürdige Kostenpositionen zur Kasse gebeten werden.“
Der SoVD verwies darauf, dass eine Erhöhung um mehr als 20 Prozent besonders ältere, chronisch kranke und mobilitätseingeschränkte Menschen treffe, weil diese häufig nicht auf digitale Alternativen ausweichen könnten. Gerade bei Behördenangelegenheiten und wichtigen persönlichen Schreiben seien viele Menschen nach wie vor auf den klassischen Postweg angewiesen.
Hintergrund der Preiserhöhung ist der anhaltende Rückgang der Briefmengen, weil immer mehr Menschen und Unternehmen auf E-Mail und andere digitale Kommunikationswege setzen. Die Kosten für Personal, Infrastruktur und Energie verteilen sich dadurch auf immer weniger Sendungen, was die Beförderung eines einzelnen Briefs teurer macht. Die Post darf das Porto nicht eigenständig festlegen, sondern benötigt dafür die Zustimmung der Bundesnetzagentur.
Die Deutsche Post ist im Briefmarkt mit großem Abstand Marktführerin; ihre kleineren Wettbewerber haben es entsprechend schwer. Im Paketgeschäft, das unter der Marke DHL läuft, ist der Vorsprung weniger ausgeprägt.











