„Wenn wir so weitermachen wie bisher“
Deutscher Wirtschaftsboss mit düsterer Prognose
04.11.2026 – 03:15 UhrLesedauer: 3 Min.
Bedroht China die europäische Wirtschaft oder kann es ein Partner werden? Der Chef von Knorr-Bremse gibt der EU Ratschläge.
Der Chef von Knorr-Bremse, Marc Llistosella, sieht in der Wirtschaftsmacht China eine Herausforderung, der Europa nicht gewachsen sei. Er setzt sich für ein Umdenken in der Wirtschaftspolitik ein.
Er halte die Maßnahmen gegen China für „zu kurz gesprungen“, sagte der CEO des Bremsenherstellers für Schienen- und Nutzfahrzeuge im Gespräch mit dem Newsletter „Industrie & Handel“ des Nachrichtenmagazins „Politico“. Die EU beschwere sich zu viel über die Konkurrenz aus dem Fernen Osten, helfe aber kaum, die eigene Industrie zu stärken. „Wenn wir so weitermachen wie bisher, sind wir in 15 Jahren weg“, warnt er.
Wenn schon Zölle gegen China, dann müssten diese sehr spezifisch sein, so der Chef des Bremsenkonzerns. Er warnte davor, dass sich Europa abschottet. „Protektionismus gibt ein vermeintliches Sicherheitsgefühl, was dazu führt, dass man immer schlechter wird“, sagte Llistosella.
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Unternehmer: In China herrscht „Raubtierkapitalismus „
Der Unternehmenschef, der selbst einige Jahre in Asien bei Daimler gearbeitet hat, sieht in China auch Ansätze, von denen Europa lernen kann. Das Land habe „einen großen Hunger und eine unglaubliche Leistungsbereitschaft“. Als Beispiel nannte er im Gespräch mit „Politico“ die Ingenieurswissenschaften. In Deutschland gebe es rund 132.000 Absolventen pro Jahr, in China bis zu 1,5 Millionen. „Es wird schwierig, das zu kompensieren“, so der 59-Jährige.
Das Land sei nicht mehr von Staatskommunismus getrieben, sondern von einem „Raubtierkapitalismus“. Die 120 chinesischen Autofirmen, die meisten im Elektrobereich, bekämpften sich „bis aufs Blut“, so der Unternehmenschef.

Knorr-Bremse ist seit Jahrzehnten in China aktiv und hat dort acht Fabriken. Man setzte stark auf Lokalisierung, so Llistosella, also Produktion vor Ort und mit Teilen und Arbeit aus der Region. Bis zu 80 Prozent betrage der Anteil. Lediglich bei Eisenbahnbremsen sei man wegen eigener Patente etwas zurückhaltend, da liege der Anteil aber auch bei bis zu 70 Prozent.
Der EU empfiehlt der Herr über 31.000 Beschäftigte weltweit von China zu lernen, wie man Geschäfte macht. „Chinesen sind Händler, und mit Händlern kann man handeln“, sagte Llistosella. Das Land habe zu viele Autos produziert und habe große Überkapazitäten. Die heimische Industrie drohe zu implodieren. Deshalb setze Peking auf Export. Diesen Druck könne die EU ausnutzen.
Chinesische Hersteller sollen in Europa produzieren
Sein Vorschlag: Chinesische Firmen sollen in Europa produzieren, wenn sie hier Autos verkaufen wollen. Ein E-Auto bekomme demnach nur Subventionen, wenn 80 Prozent in der EU hergestellt werden – inklusive Batterie. Dafür brauche es Partner in Europa, wie Siemens oder eben auch Knorr-Bremse. „Das haben sie mit uns auch gemacht“, sagt der Manager. Statt des gerade von der EU vorbereiteten Industrial Accelerator Acts, der chinesische Investitionen erschweren dürfte, solle man Bedingungen schaffen, von denen beide Seiten profitieren können.












