„Geht nicht anders“
Handwerkschef fordert höhere Rentenabschläge
Aktualisiert am 02.11.2026 – 14:56 UhrLesedauer: 4 Min.
Handwerkspräsident Jörg Dittrich fordert, Frührentnern mehr abzuziehen. Dabei schaffen es gerade im Handwerk viele nicht bis zur Rente.
Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, befürwortet es, den vorzeitigen Ruhestand teurer zu machen. Er halte es für notwendig, dass die Abschläge bei einem früheren Rentenbeginn steigen, sagte er der „Rheinischen Post“. „Mir ist bewusst, dass ich damit auch bei einigen meiner Leute auf Ärger stoßen werde“, sagte er. Es sei aber „unehrlich“ zu behaupten, die Zwänge der Demografie gälten für alle, nur nicht für das Handwerk.
Dittrich spricht dabei aus eigener Erfahrung. Er ist Dachdeckermeister. „Dachdecker schaffen es zu 90 Prozent nicht bis zur Regelaltersgrenze“, sagte er. „Aber nicht alle Älteren in Deutschland sind Dachdecker.“ Als Gesellschaft müsse man das tatsächliche Rentenalter insgesamt anheben. „Geht nicht anders.“
„Einfach simple Mathematik“
Der Handwerkspräsident zweifelt an der Reformfähigkeit der Politik. Viele in der Wirtschaft fragten sich, „ob wir überhaupt noch in der Lage sind, Reformen umzusetzen, die diesen Namen verdienen“. Er fürchte, dass sich das Zeitfenster schon wieder schließe. Wegen der offenen Führungsfrage in der SPD und der NRW-Wahl im kommenden Jahr drohe Stillstand.
Die Grundlage der Rente sieht Dittrich unter Druck. Das Umlageverfahren sei in seiner jetzigen Form aus demografischen Gründen nicht mehr finanzierbar, das sei „einfach simple Mathematik“. Wer an allen bisherigen Ansprüchen festhalte, ohne die Finanzierung zu klären, komme nicht weiter. Viele machten es sich „mit pauschaler Ablehnung notwendiger Veränderungen zu leicht“. Als Beispiel nennt er die Diskussion um die geplante Abschaffung der Rente für besonders langjährig Versicherte, umgangssprachlich „Rente mit 63“ genannt. Dabei „soll es ja Vertrauensschutz und eine Übergangszeit von mehreren Jahren geben“, so Dittrich.
Auch zu anderen Teilen der Reform äußerte sich der Handwerkspräsident. Dass sich im Bundestag Widerstand dagegen regt, auch Abgeordnete in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen, nannte er knapp „unklug“. Minijobs will er für Menschen erhalten, die sich etwas hinzuverdienen. Wer aber ausschließlich von Minijobs lebe und keine Sozialabgaben zahle, verhalte sich ungerecht gegenüber den Beitragszahlern.
Bundesbank: Abschläge sind zu niedrig
Auch die Bundesbank hält die geltenden Abschläge von 0,3 Prozent pro Monat für zu gering. Sie machten einen frühen Rentenbeginn attraktiver und belasteten die Rentenkasse finanziell. Die Notenbank schlägt vor, die Abschläge danach zu staffeln, wie weit der Rentenbeginn vom gesetzlichen Rentenalter entfernt ist. Für den Jahrgang 1964 wären es bei einem Rentenstart zwischen 63 und 64 Jahren 0,37 Prozent pro Monat.
Was das bedeutet, zeigt ein Beispiel: Wer mit 65 statt mit 67 in Rente geht, müsste nach der Rechnung der Bundesbank 9,7 Prozent Abschlag hinnehmen. Heute sind es 7,2 Prozent. Die Alterssicherungskommission der Bundesregierung sieht derzeit allerdings keinen zwingenden Bedarf, die Abschläge zu ändern.
Zwei Wege in die Frührente
Wer vor der Regelaltersgrenze in Rente gehen will, hat heute vor allem zwei Möglichkeiten:
Die Rente für langjährig Versicherte (mit Abschlägen): Wer mindestens 35 Versicherungsjahre gesammelt hat, kann frühestens mit 63 Jahren in Rente gehen. Für jeden Monat vor der Regelaltersgrenze wird die Rente um 0,3 Prozent gekürzt, und zwar dauerhaft. Bei einem Rentenbeginn vier Jahre vor der Regelaltersgrenze sind das 14,4 Prozent.











