Die NRW-Datei aus dem Jahr 2020 war offenbar auch ein Kontaktarchiv: Neben mehr als 5.500 Mitgliedern führt sie 4.771 Personen mit dem Status „Gekündigt“ auf, also ehemalige Mitglieder. Hinzu kommen Spender, Förderer und Lieferanten.
Aufgeführt sind sogar 232 Personen, die aus der Partei ausgeschlossen wurden, und 44, denen die Aufnahme verweigert wurde. Das ist besonders brisant. Zum Teil ermöglicht eine Suche in den Daten auch, die Begründungen aus Schiedsgerichtsverfahren zu finden: Mit Namen ist im neuen Leak nachzulesen, wieso jemand der AfD zu extrem, zu peinlich oder zu gefährlich war.
Zur Authentizität hat die AfD erklärt, keine Anfragen zu beantworten, „in denen es um die Frage geht, ob ein vermeintlicher Leak-Inhalt echt oder gefälscht ist“. Wer die illegal kopierten Daten nutze, heiße „ein Verbrechen“ gut, so die Partei. Es gibt bisher allerdings keine Hinweise, dass die Daten im Leak nicht echt sind. Zwar kursieren Fälschungen, die unter anderem Politiker von Grünen und CDU verbreitet haben. Die waren jedoch nicht Teil der geleakten Daten.
Aus den internen Mails lässt sich rekonstruieren, wie die Partei im Mai 2016 versuchte, die Teilnehmerlisten aus dem Netz zu bekommen – und wie groß der Ärger bei Betroffenen wie Emma Schmidt war. „Eine Katastrophe“, schrieb am 2. Mai ein Frankfurter Parteifunktionär an den Bundesvorstand. „Viele Mitglieder sind regelrecht demoralisiert.“ Nicht nur die Indymedia-Beiträge sollten verschwinden, sondern auch Verweise darauf.
Hacker: „Soll die AfD uns doch Post schicken“
Die Kanzlei Höcker erhielt den Auftrag, eine einstweilige Verfügung gegen einen Blog aus dem Kölner Raum zu erwirken, der gezielt AfDler aus dem Rheinland herausgefiltert und deren Adressen veröffentlicht hatte. Am 20. Mai erging die Entscheidung am Landgericht Köln – ein erster Erfolg, den die AfD auch verkündete.
An Indymedia selbst war schwerer heranzukommen. Die Seite, auf der anonym Beiträge veröffentlicht werden können und Bekennerschreiben auch unter falscher Flagge erscheinen, wird aus dem Ausland betrieben.
Auch beim aktuellen Leak dürfte es schwierig werden, die Seiten aus dem Netz zu bekommen, die das Leak durchsuchbar anbieten. Die erste Seite war am 19. Oktober aufgetaucht. Sie lieferte KI-Zusammenfassungen der Mails und eine Anleitung, wie die ganzen Daten heruntergeladen werden können. Die Hacker, die die aktuellen Daten bereitgestellt haben, erhielten nach ihren Angaben sehr schnell eine anonyme Mail mit einem Angebot: 100.000 Euro, wenn sie die Daten zurückziehen.












