„Die Zivilisation legt man nicht ab“
Wadephul verteidigt Handschlag mit Lawrow
06.10.2026 – 11:15 UhrLesedauer: 3 Min.
Außenminister Wadephul trifft seinen russischen Kollegen und gerät nicht nur in Deutschland in Kritik. Merz schließt auch Treffen mit Putin nicht kategorisch aus.
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) sieht „weitergehende Pläne“ des Kremls über den Krieg gegen die Ukraine hinaus. Die Bundesregierung müsse davon ausgehen, dass zu diesen auch Ansprüche auf Georgien, Moldau und das Baltikum gehören könnten, sagte Wadephul am Montagabend in der ntv-Sendung „Pinar Atalay“. „Und damit sind wir dann selbst auch betroffen als Alliierte“, fügte er hinzu.
Auf die Frage, was genau unter weitergehenden Plänen zu verstehen sei, antwortete Wadephul, dass Russlands Staatschef Wladimir Putin in der Vergangenheit den Zusammenbruch der Sowjetunion als größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts bezeichnet habe. „Wenn das die größte Katastrophe war, dann möchte er die wahrscheinlich reparieren.“ Dazu gehöre die Ukraine, dazu gehört auch Georgien, Moldau und das Baltikum. Mit Blick auf die baltischen Staaten sagte Wadephul: „Das sind jetzt EU- und Nato-Mitglieder und damit sind wir dann selbst auch betroffen als Alliierte.“
Bei seinem Gespräch mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow am Rande der UN-Generalversammlung vor mehr als einer Woche habe er den Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle angesprochen, erklärte der Außenminister. „Für Deutschland ist da eine Linie überschritten worden und hat es eine neue Qualität.“
Dass er Lawrow bei dem Treffen die Hand gegeben habe, verteidigte Wadephul: „Die Zivilisation – die legt man nicht ab, nur weil die Person, die man trifft und mit der man spricht, völlig andere Werte vertritt als man selber. Dafür hat man einen Außenminister, damit er auch Gespräche führt, die man sich nicht gerade wünscht. Oder wo man nicht nachts träumt: Hoffentlich kann ich endlich dieses Gespräch führen.“
Lawrow hatte sich hinterher über das Gespräch lustig gemacht.
Kanzler fordert Putin zu Dialog auf
Der Handschlag zwischen Wadephul und Lawrow hatte vor allem im Osten Europas heftige Erinnerungen wachgerufen. Hintergrund sind Absprachen zwischen Berlin und Moskau in den vergangenen Jahrhunderten über die Einteilung der Interessensphären in der Region. Noch der legendäre Außenminister Hans-Dietrich Genscher fuhr im Vorfeld der Zwei-plus-Vier-Verhandlungen Italiens Außenminister Gianni De Michelis mit den Worten an: „You are not part of the Game“ – Ihr seid hier nicht im Spiel.

Der polnische Sender TVP World warnte nach dem Treffen sogar vor einem „Jalta in Raten“. Gemeint ist die Konferenz von Jalta im Februar 1945, bei der die USA, Großbritannien und die Sowjetunion über die Nachkriegsordnung in Europa berieten.











