Für Wirtz ist die herbe Kritik an seiner Person nicht neu. Schon in seinem ersten Jahr in Liverpool hatte er sich den teils harschen Bewertungen von Fans und Experten ausgesetzt gesehen. Von Beginn an war er an seiner astronomisch hohen Ablösesumme von mindestens 125 Millionen Euro gemessen worden. Doch die damit verbundenen Erwartungen an ihn konnte Wirtz bisher nicht erfüllen, wurde in England aufgrund seiner als unzureichend bewerteten Leistungen bereits des Öfteren als Transferflop abgestempelt.
Wirtz‘ Liverpool-Wechsel „im ungünstigsten aller Momente“
Klopp gelang es in Herzogenaurach nun aber immerhin, einen Faktor für Wirtz‘ holprigen Start in Liverpool auszumachen. Dabei zeigte der Bundestrainer seine empathische Ader und bewies, dass er seinen Spieler bereits zu Beginn der Zusammenarbeit verstanden hat.
„Wenn man den Gesamtkontext sehen möchte, dann ist Flo im ungünstigsten aller Momente nach Liverpool gekommen“, sagte Klopp und führte seine Gedanken weiter aus. Er meine mit dieser Analyse nicht den Meistertitel, den Liverpool wenige Wochen vor der Wirtz-Verpflichtung gewonnen hatte, „sondern es geht um den tragischen Todesfall von Diogo Jota“.
Der Portugiese hatte ab 2020 für Liverpool gespielt, gehörte auch zum Meisterkader des Klubs. Im Juli 2025 verunglückte Jota jedoch mit gerade einmal 28 Jahren gemeinsam mit seinem Bruder bei einem Autounfall in Spanien tödlich. Die Fußballwelt stand unter Schock. Auch Klopp, der Jota bis 2024 vier Jahre lang als Trainer in Liverpool betreut hatte, tat seine Trauer öffentlich kund. Auf Instagram schrieb er noch am selben Tag zum Tod des dreifachen Vaters: „Das ist ein Moment, in dem ich zu kämpfen habe. Es muss doch einen größeren Sinn geben. Aber ich kann ihn nicht erkennen.“
Klopps Schmerz teilten damals neben Jotas Angehörigen vor allem diejenigen, die mit dem Stürmer eng zusammengearbeitet hatten: Trainer, Mitarbeiter und Fans des FC Liverpool – und natürlich seine Mitspieler. Dafür, dass der Fokus der Profis nach dem Tod ihres Kollegen erst einmal nicht auf dem Sport lag, zeigte der Bundestrainer nun auch volles Verständnis, sah aber genau darin auch ein großes Problem für Wirtz.
„Er ist in eine Mannschaft gekommen, die wahnsinnig viele Spieler dabeihatte, bei denen ist Fußball in der Prioritätenliste, völlig nachvollziehbar, nach hinten gerutscht“, sagte Klopp. „Da kommst du als neuer Spieler und alle sehnen sich sofort danach, dass einer die Kohlen aus dem Feuer holt. Das ist eben unmöglich.“











