300 neue Jobs
Bäcker in der Krise – Harry expandiert weiter
Aktualisiert am 21.09.2026 – 12:53 UhrLesedauer: 3 Min.

Deutschlands größter Backwarenhersteller steckt 200 Millionen Euro in ein neues Werk im Süden. Viele andere Bäcker kämpfen derweil ums Überleben.
Der Traditionsbäcker Harry kennt seit Jahren nur eine Richtung: nach oben. Das Unternehmen aus Schenefeld bei Hamburg hat angekündigt, im hessischen Ort Erlensee eine Großbäckerei mit rund 300 Arbeitsplätzen zu errichten, der Bau soll im Spätsommer 2026 beginnen. Der Erfolg des Marktführers und die Krise der Bäcker haben dieselbe Ursache: Immer mehr Menschen kaufen ihr Brot im Supermarkt statt beim Bäcker. Und dort kommt es häufig von Harry.
Im ersten Halbjahr 2026 haben bundesweit 63 Bäckereien Insolvenz angemeldet, 40 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Zuletzt traf es auch mittelständische Ketten wie den Thüringer Bäcker Lampe mit 44 Filialen und die Bäckerei Wahl mit mehr als 50 Standorten in Berlin und Brandenburg. Den Hauptgrund sieht Creditreform in veränderten Gewohnheiten: Viele Kunden kauften Backwaren beim Wocheneinkauf im Supermarkt oder Discounter, sagte Sprecher Patrik-Ludwig Hantzsch der „Bild“-Zeitung.
- Kik schließt 150 Filialen: Diese Standorte sind betroffen
- „Eine massive Umwälzung“: Der nächste China-Schock rollt an
Sieben von zehn Broten aus dem Supermarkt
Im ersten Quartal entfielen 70 Prozent der verkauften Mengen an Brot und Backwaren auf Supermärkte und Discounter, wie aus Daten von YouGov hervorgeht. Brot aus der Backstation ist nur gut halb so teuer wie beim Bäcker: Ein Kilo kostete dort 2025 im Schnitt 2,77 Euro, beim Bäcker 5,03 Euro.

Die Ware für die Backstationen liefern Industriebetriebe wie Harry oder der Mitbewerber Lieken, teils backen die Händler auch selbst. Die Schwarz-Tochter Bonback stellt nach eigenen Angaben bis zu zehn Millionen Brötchen pro Woche für Lidl und Kaufland her. Harry belieferte nach Unternehmensangaben täglich rund 13.500 Geschäfte und 10.000 Backstationen.
Früh auf den Handel gesetzt
Die Geschichte von Harry beginnt 1688 in Altona, und zwar unter anderem Namen: Der aus Bremerhaven stammende Bäcker Johan Hinrich Harie eröffnete dort eine kleine Backstube. Erst seine Söhne schrieben den Familiennamen Harry. 1963 fiel eine Entscheidung, die sich heute auszahlt: Harry gab seine eigenen Filialen auf und belieferte fortan nur noch Geschäfte.
Ab 1997 kamen vorgebackene, tiefgekühlte Brote und Brötchen für die Backstationen des Handels hinzu. „Prebake ist in den vergangenen Jahren eingeschlagen wie eine Bombe“, sagte der damalige Chef Hans-Jochen Holthausen 2012 dem „Hamburger Abendblatt“. Heute macht das Segment laut Geschäftsführer Frank Kleiner ein Drittel des Geschäfts aus.












