Bestattungsvorsorge
„Wer geduzt werden wollte, musste der Sterbekasse beitreten“
18.09.2026 – 15:07 UhrLesedauer: 4 Min.
Eine Beerdigung ist kostspielig. Arbeiter gründeten einst Vereine, um die hohen Kosten solidarisch abzufedern. Die Vereine gibt es bis heute.
In Bochum ist der Bochumer Versicherungsverein vielen Menschen ein Begriff. Das dürfte unter anderem an Anthony Losilla liegen. Elf Jahre ackerte der französische Fußballer für den lokalen VfL Bochum auf dem Platz – er übernahm Verantwortung, wenn es darauf ankam, zeigte stets vollen Einsatz und blieb trotz allem für die vielen Fans des VfL im Ruhrgebiet immer nahbar. Als Losilla im vergangenen Jahr schließlich das letzte Mal seine Schuhe schnürte, benannte der Verein im Ruhr-Stadion eine Ehrensäule nach seinem ehemaligen Kapitän. Eine Ehre, die bislang nur wenigen Vereinslegenden zuteil wurde.
Entsprechend hätte sich der Bochumer Versicherungsverein, eine Sterbekasse, kaum ein besseres Werbegesicht für seine Kampagne „Bochum sorgt vor“ aussuchen können. Ihr Ziel: neue Mitglieder für die Kasse finden. Eine Aufgabe, die heute nicht nur in Bochum immer mehr Aufwand bedeutet. Denn Sterbekassen stehen unter Druck. Ihr Geschäftsfeld hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert, viele, vor allem kleinere müssen um ihre Zukunft fürchten.
Arbeiter schließen sich zusammen
Die Geschichte der Sterbekassen reicht weit zurück, im Prinzip bis ins Mittelalter. Wer nicht in einem Massengrab verscharrt werden wollte, sondern ein ehrbares, christliches Begräbnis wünschte, trat damals häufig einer sogenannten Totengilde bei. Deren Mitglieder halfen nicht nur praktisch beim Begräbnis, sondern auch finanziell. Jedes Mitglied zahlte regelmäßig Beiträge in eine Gemeinschaftskasse. Aus dieser wurden bei einem Todesfall dann die Kosten für die Beisetzung, die Kerzen und die Unterstützung der Hinterbliebenen finanziert.

Eine Idee, die während der Industrialisierung neue Anhänger gewann. Vor allem im Bergbau und in der Schwerindustrie war das Unfallrisiko hoch. Arbeiter schlossen sich daher zusammen, um über die Sterbekassen die Familien der verstorbenen Kollegen finanziell zu unterstützen.
„Der Anstoß kam nicht von den Unternehmen, sondern den Mitarbeitern selbst“, sagt Paul Weßling, Vorstandsmitglied im Verband der Sterbekassen. Vor allem im Ruhrgebiet sind Sterbekassen auch heute noch stark vertreten – zu finden sind sie jedoch auch anderswo in Deutschland.
„An jeder Autobahnausfahrt eine Sterbekasse“
„In Bayern gibt es praktisch an jeder Autobahnausfahrt eine Sterbekasse“, beschreibt Christian Hanf vom Verband der Sterbekassen die Fülle kleinster, sehr regionaler Einrichtungen. Viele nehmen nur Mitglieder aus der jeweiligen Gemeinde auf, andere sind auf bestimmte Betriebe beschränkt. Daneben gibt es jedoch auch 30 Sterbekassen, die bundesweit für Interessierte geöffnet sind.
Damals wie heute sichern Sterbekassen ihre Mitglieder gegen hohe Bestattungskosten ab. Heute in Form einer Sterbegeldversicherung. Mitglieder zahlen regelmäßig Beiträge, teils nur wenige Euro im Jahr. Im Todesfall wird dann eine vorher vereinbarte Versicherungssumme ausgezahlt. Diese fällt bei den Sterbekassen in der Regel niedriger aus als bei größeren Lebensversicherern, die ebenfalls Sterbegeldversicherungen im Angebot haben. Dafür verzichten die Sterbekassen häufig auf Gesundheitsfragen – der Gesundheitszustand spielt folglich für den Abschluss der Versicherung keine Rolle. Allerdings müssen die Versicherten bestimmte Wartezeiten in Kauf nehmen. Teils wird die volle Versicherungssumme erst nach drei Jahren ausgezahlt.












