Finanzkonzern in der Krise
Pleite eines Immobilenfonds ruft Bafin auf den Plan
09.09.2026 – 08:37 UhrLesedauer: 3 Min.

Ein leer stehendes Gebäude in Boston und ein insolventer Fonds – die Deutsche Finance Group steht vor einer Krise. So groß ist das Risiko für die Anleger.
Am 2. September 2026 hat das Amtsgericht München die vorläufige Insolvenzverwaltung über den „DF Deutsche Finance Investment Fund 17 – Club Deal Boston II“ angeordnet (Aktenzeichen 1542 IN 3086/26). Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Michael Jaffé bestellt, bekannt durch seine Rolle bei der Wirecard-Insolvenz. Für die 1.187 Anlegerinnen und Anleger des Fonds bedeutet dies, dass ihre Investitionen in Höhe von 58 Millionen US-Dollar akut gefährdet sind.
Doch die Krise reicht weit über den Fund 17 hinaus. Auch andere Fonds der Deutschen Finance Group stehen unter Druck. Insgesamt geht es um rund 1,4 Milliarden Euro, die von deutschen Privatanlegern in die Fonds des Unternehmens investiert wurden. Die Frage, warum die Deutsche Finance die wahren Geschäftszahlen verschleiert, wird immer drängender – und Anlegerinnen und Anleger fragen sich, wie sie reagieren sollten.
Wie konnte es zur Insolvenz von Investment Fund 17 kommen?
Der DF Fund 17 wurde ab Mai 2021 als geschlossener Publikumsfonds angeboten. Anleger konnten sich ab 25.000 US-Dollar zuzüglich fünf Prozent Ausgabeaufschlag beteiligen. Ziel des Fonds war die Finanzierung eines Labor- und Bürogebäudes im Großraum Boston, einer Immobilie, die während der Pandemie als vielversprechend galt.
Doch das Projekt scheiterte. Obwohl das Gebäude 2024 fertiggestellt wurde, blieb es vollständig leer. Weder eine Vermietung noch ein Notverkauf konnten realisiert werden. Der Nettoinventarwert (NAV), der das aktuelle Fondsvermögen beziffert, das Fondsteilhabern zusteht, stürzte im Geschäftsbericht für 2024 um 59 Prozent ab.
Bereits Ende 2025 äußerten die Wirtschaftsprüfer von KPMG massive Zweifel an der Fortführung des Fonds. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) setzte einen Sonderbeauftragten ein, um die Deutsche Finance Group unter Druck zu setzen. Dennoch konnte die Insolvenz nicht abgewendet werden.
Noch nicht das ganze Ausmaß erreicht
Die Probleme des DF Fund 17 sind nur die Spitze des Eisbergs. Das Bauvorhaben in Boston war Teil eines größeren Entwicklungsplans, des „Boynton Yards Masterplan“, der insgesamt sechs Gebäude umfasste. Deutsche Anleger investierten auch in die Fonds DF 20 und DF 21, die als „Club Deal Boston III“ und „Club Deal Boston IV“ vermarktet wurden.
Diese Fonds sammelten deutlich mehr Kapital ein, doch auch hier scheiterte das Vorhaben. Wegen steigender Zinsen und schwieriger Finanzierungsbedingungen wurde das geplante Gebäude nie fertiggestellt. Der DF Fund 20 befindet sich seit dem 30. Juli 2026 in Liquidation, ist jedoch nicht insolvent.
Die ursprüngliche Prognose von 140 Prozent Mittelrückflüssen konnte nicht erreicht werden, und die Höhe der Rückzahlungen bleibt ungewiss. Tausende Anlegerinnen und Anleger stehen vor erheblichen finanziellen Verlusten.













