Vor den Landtagswahlen
„Ich beneide keinen, der in Sachsen-Anhalt ein Unternehmen hat“
03.09.2026 – 09:35 UhrLesedauer: 5 Min.

Ein Bündnis aus Familienunternehmern hat sich zusammengetan, um vor Populismus und Demokratiefeinden zu warnen. Wie blicken sie auf die Landtagswahlen?
Möglicherweise haben Sie in den vergangenen Wochen auf den Straßen, im öffentlichen Nahverkehr oder in den Medien Plakate und Anzeigen mit folgenden Botschaften gesehen: „Demokratie: Anstrengend, aber wirtschaftlich ein Erfolg“, oder auch: „Einfalt löst keine Probleme. Vielfalt schon.“ Darunter kann man das Logo des Vereins sehen, der dahintersteht: „Made in Germany. Made by Vielfalt“.
Hinter der Aktion steckt ein Bündnis aus deutschen Familienunternehmen, die seit 2025 auch ein unter dem Namen „Made by Vielfalt e. V.“ eingetragener Verein sind. Gemeinsam wollen sich die Unternehmen für eine offene Gesellschaft auf Basis demokratischer und rechtsstaatlicher Werte einsetzen. Offene Märkte, ein starkes Europa und eine gemeinsame Währung – das alles seien Bausteine des wirtschaftlichen Erfolgs in Deutschland, heißt es auf der Webseite des Vereins.
Angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen, nach denen in Sachsen-Anhalt erstmals die in Teilen rechtsextreme AfD einen Ministerpräsidenten stellen könnte, mobilisiert der Verein mit einer Kampagne und warnt vor den wirtschaftlichen Folgen einer AfD-Regierung. Abschreckung von ausländischen Fachkräften, Rückbau der Bildungspolitik und Stopp der Energiewende sind nur ein paar Beispiele, die dem Land wirtschaftlich schaden würden. Timm Mittelsten Scheid, Ehrenvorsitzender des Beirats im Unternehmen Vorwerk, sagte zum Auftakt der Kampagne: „Das hätte schwerwiegende Folgen für unser Land und die Menschen, die hier leben und ihr Geld verdienen. Und das wird man ja mal sagen dürfen.“
AfD-Regierung schreckt Fachkräfte ab
Begonnen hat das Ganze schon vor zwei Jahren, als in Thüringen, Sachsen und Brandenburg die Landtagswahlen anstanden. Auch damals war die Sorge vor den populistischen Kräften groß, weshalb sich die Unternehmer zusammentaten. Christian Grötsch, Gründer und Vorsitzender des Verwaltungsrats der Digitalagentur dotSource mit Hauptsitz in Jena, erzählt: „Damals hat uns das direkt hier in Thüringen betroffen, weshalb wir für Vielfalt kämpfen wollten und mussten.“ Jetzt gehe es zwar nicht mehr um sein Bundesland, aber der Verein sei bundesweit aktiv und an der Demokratieförderung in allen Regionen interessiert.
Und auch wenn in Thüringen keine Koalition mit der AfD zustande kam, war sie dennoch die stärkste Kraft bei den Wahlen 2024. „Das war eine knappe Geschichte. Damals hatten wir Mitarbeitende, die gesagt haben, dass sie nicht mehr hier arbeiten möchten, wenn die AfD regieren sollte“, sagt Grötsch, der davon alarmiert war. „Man muss als Unternehmer gerade wirklich Angst um seine Talente haben. Ich beneide gerade keinen, der in Sachsen-Anhalt ein Unternehmen hat“, sagt er t-online.
Das Thema Fachkräftesicherung ist für Unternehmen das dominierende Thema im Umgang mit der AfD. Viele Branchen sind in Deutschland auf qualifiziertes Personal aus dem Ausland angewiesen. Vor allem im Gesundheitswesen, der Pflege sowie in der IT ist das der Fall. Als die IHK Sachsen-Anhalt aber ein Gespräch mit allen Spitzenkandidaten vor der Landtagswahl organisiert hatte, blieben AfD-Vertreter der Veranstaltung fern. Somit konnte die regionale Wirtschaft drängende Fragen zu genau diesen Themen nicht stellen.












