Nicht nur Zigaretten
Auch diese Nikotinprodukte schädigen Herz und Gefäße
27.08.2026 – 07:54 UhrLesedauer: 2 Min.
Eine neue Übersichtsarbeit zeigt: Nikotinhaltige E-Zigaretten, Erhitzer und Beutel können das Herz-Kreislauf-System belasten – wenn auch unterschiedlich stark.
Zigaretten gelten seit Langem als besonders gesundheitsschädlich. Doch viele Menschen nutzen inzwischen E-Zigaretten (Vapes), Tabakerhitzer, Wasserpfeifen oder Nikotinbeutel (Pouches) – oft in der Hoffnung, damit ein deutlich geringeres Gesundheitsrisiko einzugehen. Laut einer neuen Studie ist für das Herz-Kreislauf-System jedoch kein nikotinhaltiges Produkt risikofrei. Nachzulesen sind die Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Nature Reviews Cardiology“.
Zigaretten schneiden am schlechtesten ab
Für die Übersichtsarbeit wertete eine internationale Arbeitsgruppe unter Leitung der Universitätsmedizin Mainz zahlreiche bereits veröffentlichte Studien aus und führte Daten zu Zigaretten, Wasserpfeifen, E-Zigaretten, Tabakerhitzern und oralen Nikotinprodukten wie Nikotinbeuteln und Kautabak zusammen.
Die Ergebnisse zeigen eine klare Abstufung: Am stärksten belasten Zigaretten und Wasserpfeifen das Herz-Kreislauf-System. Danach folgen Tabakerhitzer und E-Zigaretten, am unteren Ende der Skala liegen orale Nikotinprodukte.
Weniger schädlich bedeutet jedoch nicht automatisch harmlos. Auch bei Produkten ohne Tabakverbrennung fanden die Forscher Hinweise auf Veränderungen an den Blutgefäßen.
Nikotin verengt die Gefäße
Nikotin macht nicht nur abhängig, sondern wirkt auch direkt auf die Blutgefäße: Es kann die Gefäße verengen, oxidativen Stress erhöhen, Entzündungsprozesse fördern und die Bildung von Blutgerinnseln begünstigen.
Gesunde Gefäße müssen sich weiten und wieder verengen können. Diese Elastizität ist wichtig, damit der Blutdruck reguliert und Organe ausreichend versorgt werden. Nikotin stört diese Funktion jedoch. Es greift die innere Schutzschicht der Gefäße an und beeinflusst zugleich die Muskulatur der Gefäßwand. Dadurch ziehen sich Blutgefäße stärker zusammen und weiten sich schlechter.
Thomas Münzel von der Universitätsmedizin Mainz, der Erstautor der Studie, erklärt: „Nikotin ist kein passiver Bestandteil, der lediglich die Sucht aufrechterhält, sondern verursacht messbare, reproduzierbare Gefäßschäden.“
Mögliche Folgen für Herz und Kreislauf
Solche Gefäßschäden können langfristig schwere Erkrankungen begünstigen. Dazu zählen Bluthochdruck, Arteriosklerose, Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzinsuffizienz. Besonders tückisch: Veränderungen an den Gefäßen entstehen oft über Jahre, bevor Betroffene Beschwerden bemerken.
Die Forscher verweisen zudem auf die große globale Bedeutung des Problems. Tabak- und Nikotinkonsum zählen weiterhin zu den führenden vermeidbaren Todesursachen. Ein erheblicher Anteil dieser Todesfälle geht auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurück.
Weniger schädlich heißt nicht harmlos
Im Vergleich zur klassischen Zigarette können E-Zigaretten oder Tabakerhitzer bestimmte Belastungen verringern, weil bei diesen Varianten weniger oder keine Verbrennungsstoffe entstehen. Doch das zentrale Problem bleibt: Auch sie liefern Nikotin. Hinzu kommen je nach Produkt weitere Stoffe wie Feinstaub, Metalle, Aldehyde oder Aromastoffe, deren langfristige Wirkung noch nicht vollständig geklärt ist.
„Kein nikotinhaltiges Produkt – ob geraucht, erhitzt, verdampft oder oral aufgenommen – ist für das Herz-Kreislauf-System risikofrei“, betont Münzel. Die wichtigste Botschaft der Studie lautet deshalb: Wer auf andere Nikotinprodukte umsteigt, reduziert möglicherweise einzelne Risiken – beseitigt sie aber nicht. Für Herz und Gefäße bleibt vollständiger Nikotinverzicht die sicherste Option.










