EU schmiedet neue Auto-Allianz
Drei Länder sollen gegen China mitziehen
25.08.2026 – 16:20 UhrLesedauer: 3 Min.
Chinesische Autos drängen zunehmend auf den europäischen Markt. Nun plant die EU-Kommission einem Bericht zufolge ein ungewöhnliches Bündnis.
Die EU-Kommission arbeitet nach einem Bericht des „Handelsblatts“ an einer neuen wirtschaftspolitischen Allianz mit Großbritannien, Japan und Südkorea, um die eigenen Autoindustrien gegen die Konkurrenz aus China abzuschirmen. Ziel der vier Partner sei es, sich gemeinsam gegen chinesische Überkapazitäten zu schützen, die eigenen Märkte füreinander offenzuhalten und bei kritischen Rohstoffen enger zu kooperieren, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Kommissionskreise. Eine Kommissionssprecherin wollte den Bericht nicht kommentieren.
Hintergrund ist eine rasante Zunahme chinesischer Autoexporte, besonders bei Plug-in-Hybriden. Der Anteil chinesischer Fahrzeuge an den in die EU importierten Plug-in-Hybriden stieg von 37 Prozent im Jahr 2024 über 49 Prozent im Jahr 2025 auf 60 Prozent im ersten Quartal 2026. Ein weiterer Wendepunkt: Seit Mai 2026 verkaufen chinesische Hersteller erstmals mehr Fahrzeuge in Europa als die großen japanischen Konzerne zusammen.
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Der Vorstoß der Chinesen bei den Hybriden ist kein Zufall: Auf reine Elektroautos hat die EU bereits Zusatzzölle verhängt. Die Plug-in-Hybride werden davon bislang nicht erfasst – China weicht also auf ein Segment aus, das durch die bestehenden Schutzmaßnahmen nicht abgedeckt ist. Hier soll das neue Instrument ansetzen.
Drei Säulen – und ein Klub für weitere Partner
Nach Informationen des „Handelsblatts“ soll die Zusammenarbeit auf drei Säulen ruhen:
- Offene Märkte und gegenseitige Bevorzugung: Die Partner wollen sich bei Subventionen wie E-Auto-Kaufprämien gegenseitig begünstigen. Konkret sollen Fahrzeuge aus Großbritannien, Japan und Südkorea bei den geplanten „Buy European“-Regeln künftig wie EU-Autos behandelt werden. Das Vorhaben läuft unter dem Namen „Industrial Accelerator Act“. Kaufprämien für E-Autos und Steuervorteile für Firmenflotten sollen auf europäische Fahrzeuge beschränkt werden – die drei Partnerländer eingeschlossen.
- Schutzzölle nach Stahl-Vorbild: Brüssel arbeitet an einem Handelsschutzinstrument gegen stark steigende Autoimporte, das sich an den EU-Schutzzöllen für Stahl orientiert. Japan, Südkorea und Großbritannien sollen davon ausgenommen werden.
- Kooperation bei kritischen Rohstoffen: Die Länder wollen ihre Abhängigkeit von China bei strategischen Rohstoffen verringern.
Aus der bislang informellen Zusammenarbeit könnte so ein größerer „Klub für wirtschaftliche Sicherheit“ werden, der später auch für Länder wie Kanada oder Australien offen wäre.
Warum vor allem Japan drängt
Besonders Japan hat großes Interesse an der Kooperation. Denn China nutzt seine dominante Stellung bei seltenen Erden zunehmend als geopolitischen Hebel. Laut Alicia García-Herrero, Chefökonomin der Investmentbank Natixis für den asiatisch-pazifischen Raum, brachen Chinas Exporte seltener Erden nach Japan zuletzt um rund 50 Prozent ein, während sie in die USA leicht stiegen.
Im Gegenzug für ein Schutzinstrument gegen Überkapazitäten wollen die Japaner deshalb eine Vereinbarung über kritische Rohstoffe – inklusive Abnahmegarantien etwa für Gallium, das Japan raffinieren kann. Solche gebündelten Abnahmezusagen gelten als entscheidend, um Lieferketten außerhalb Chinas überhaupt aufbauen zu können.












