Singapurs teurer Kampf gegen Staus
Ein Auto zum Preis einer Wohnung
Aktualisiert am 08.07.2026 – 18:45 UhrLesedauer: 2 Min.
Wer in Singapur ein Auto fahren will, zahlt astronomische Summen. Und das liegt nicht am Auto selbst, sondern an einem staatlichen Zertifikat. Was dahinter steckt und warum Autohersteller zu einem skurrilen Trick greifen.
Nirgendwo auf der Welt ist der Autokauf so teuer wie in Singapur. Wer im asiatischen Stadtstaat einen einfachen Kleinwagen erwerben möchte, muss tief in die Tasche greifen. Ein Toyota Corolla kostet inklusive aller Gebühren und Steuern aktuell rund 179.900 Singapur-Dollar (ca. 139.000 US-Dollar). Zum Vergleich: Für diese Summe bekommt man in Singapur bereits eine kleine, staatlich subventionierte Wohnung – oder in den USA gleich vier Neuwagen desselben Modells.
Eine Million Autos für sechs Millionen Menschen
Der Grund für diese extremen Summen ist das staatliche Fahrzeugquotensystem. Bevor man ein Auto besitzen darf, muss man eine sogenannte „Certificate of Entitlement“ (COE) ersteigern. Diese Berechtigung gilt zehn Jahre lang und regelt den Verkehr strikt: Für die 6,1 Millionen Einwohner sind nur rund eine Million Fahrzeuge zugelassen. Da die Insel in weniger als einer Stunde durchquert werden kann, drosselt der Staat die Anzahl der Lizenzen massiv.
- Rekord für die Ewigkeit: Das teuerste Nummernschild der Welt
Die Folge: Bei der jüngsten Auktion wurde für Lizenzen für Kleinwagen (bis 1,6 Liter Hubraum) erstmals die Marke von 100.000 US-Dollar überschritten. Damit haben sich die Lizenzkosten seit der Zeit vor der Corona-Pandemie vervierfacht. Zum Vergleich: Im Oktober 2023 lagen die Zertifikate für kleine Autos noch bei rund 77.500 US-Dollar. Seit der ersten Auktion dieses Jahres (Start bei rund 78.800 US-Dollar) steigen sie aber unaufhaltsam weiter.
Warum explodieren die Preise genau jetzt?
Laut Verkehrsminister Jeffrey Siow treffen derzeit zwei Faktoren aufeinander:
- Hohe Nachfrage: Besonders attraktive Preise für Elektroautos locken viele neue Käufer an.
- Künstliche Verknappung: Der Staat hat die Anzahl der verfügbaren Zertifikate bei den Auktionen für kleinere Fahrzeuge weiter reduziert.
Um den hohen Preisen der Oberklasse zu entkommen, greifen Autohersteller zu einem Trick: Sie drosseln die Motorleistung beliebter Modelle speziell für den Markt in Singapur. So rutschen die Fahrzeuge künstlich unter die Grenze von 1,6 Litern Hubraum, um die günstigere Zulassung für Kleinwagen zu erhalten. Doch weil nun alle in diese Kategorie drängen, explodieren auch hier die Preise.
Ein Auto kostet mehr als ein Jahresgehalt
Damit wird ein Auto für die normale Bevölkerung unerschwinglich. Das mittlere jährliche Haushaltseinkommen im Stadtstaat liegt bei 149.352 Singapur-Dollar. Ein einziger Kleinwagen inklusive Lizenz übersteigt diesen Betrag jedoch deutlich. Wer in Singapur Auto fahren möchte, gibt somit weit mehr als ein komplettes Jahresgehalt für ein Fahrzeug aus, das anderswo als einfaches Einstiegsmodell gilt. Allerdings: Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) des Zwergsstaats gilt als weltweit führend.









