Welche besonderen Umstände im Falle Baloguns vorliegen sollen, teilte sie nicht mit. Interessant ist jedoch der folgende Satz: „Die Fifa-Disziplinarkommission hat das Recht, die Umsetzung von Disziplinarmaßnahmen auszusetzen, sofern diese nicht die Manipulation von Spielen betreffen – was hier natürlich nicht der Fall war.“
Balogun war seinem Gegenspieler im WM-Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina mit gestreckter Sohle auf den Knöchel gestiegen. Ein klares Foul – und eine berechtigte Rote Karte, die eigentlich eine Sperre nach sich zieht. Wie es auch die anderen elf mit Rot verwarnten Spieler bei dieser WM erlebten.
Kritiker werfen dem Weltfußballverband daher vor, mit der Entscheidung unzulässig in den Wettbewerb eingegriffen zu haben. Insbesondere der belgische Verband sieht sich durch die überraschende Fifa-Entscheidung klar benachteiligt und legte bereits Einspruch ein – dieser wurde abgewiesen. Inzwischen fordern auch andere Fußballverbände die Revision bestimmter Entscheidungen während der WM, so etwa der französische und womöglich auch der englische Verband.
Vorsitzender der Kommission aus den VAE
Das Fifa-Statement liest sich – ungewöhnlich genug für Mitteilungen dieser Art – nicht wie sonst üblich als trockener Kommentar zu einer sportjuristischen Entscheidung, sondern wie eine Reaktion auf die internationale Berichterstattung und die empörten Reaktionen aus der Welt des Fußballs. So wird in der Mitteilung mehrfach das Recht der Fifa betont, Entscheidungen wie die besagte Ein-Spiel-Sperre zurücknehmen zu dürfen.
Im letzten Absatz geht das Statment auf die laufende Debatte um den Vorgang ein. So sei eine solche Entscheidung „im modernen Fußball nichts Neues“. In allen Spitzenligen sei dies „eine gängige Disziplinarmaßnahme, doch hat dies noch nie Bedenken hinsichtlich der Überschreitung einer ‚roten Linie‘ hervorgerufen.“ Insgesamt, so heißt es am Ende, handelt es sich laut der Disziplinarkommission bei der Bewährungsstrafe für Balogun um eine „sehr ausgewogene Entscheidung“.
Vorsitzender der Fifa-Disziplinarkommission ist derzeit Mohammad Al-Kamali (VAE), ein Fußballfunktionär aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. In dem Gremium sitzen außerdem Entscheidungsträger aus den Fußballnationen Tonga, Singapur, Tahiti oder Vietnam.
Fifa-Präsident Gianni Infantino hatte zuvor bereits ein einem eigenen Statement versichert, er habe nichts mit der Baloguns Begnadigung zu tun. Die Gremien des Weltverbands handelten vollkommen unabhängig und träfen ihre Entscheidungen souverän. Daran hegen Kritiker der Fifa jedoch schon seit Jahren Zweifel.









