Demenz vorbeugen
Dieser Faktor könnte wichtiger sein als gedacht
Aktualisiert am 24.06.2026 – 14:07 UhrLesedauer: 3 Min.
Was schützt das Gehirn im Alter? Eine neue Studie lenkt den Blick auf eine erstaunlich einfache Gewohnheit: Viel Zeit im Freien verbringen.
Die Wissenschaft kennt inzwischen 14 Faktoren, die das Risiko für eine Demenz erhöhen können. Dazu gehören Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen, Bewegungsmangel oder Hörverlust. Nun deutet eine große Langzeitstudie auf einen weiteren möglichen Einfluss hin: Wer tagsüber häufiger hellem Licht ausgesetzt ist, entwickelt seltener eine Demenz.
Fast 88.000 Menschen über Jahre beobachtet
Für die Studie werteten Forscher Daten des britischen Forschungsunternehmens UK Biobank aus. Eingeschlossen wurden 87.577 Frauen und Männer mit einem Durchschnittsalter von 62 Jahren, die zu Beginn keine Demenz hatten. Alle trugen eine Woche lang ein Messgerät am Handgelenk, das neben Bewegung auch die Lichtintensität im Alltag erfasste. Anschließend wurden die Teilnehmer im Median 8,1 Jahre nachbeobachtet. In dieser Zeit erkrankten 741 Menschen an einer Demenz.
Die Wissenschaftler verglichen anschließend das Demenzrisiko mit der gemessenen Lichtexposition am Tag und in der Nacht. Zusätzlich erfassten sie weitere Faktoren wie Alter, Geschlecht, Bildung, Bewegung, Ernährung, Rauchen, Alkoholkonsum, Übergewicht, Diabetes und Bluthochdruck. Denn all diese Faktoren können das Demenzrisiko ebenfalls beeinflussen: Wer viel draußen ist, bewegt sich oft auch mehr, ist möglicherweise gesünder, sozial aktiver oder hat andere Lebensgewohnheiten als jemand, der wenig Tageslicht abbekommt.
Um solche Verzerrungen möglichst auszuschließen, berücksichtigten die Forscher diese bekannten Einflussgrößen in ihren Berechnungen. Dadurch ließ sich besser beurteilen, ob das Tageslicht selbst mit dem Demenzrisiko zusammenhing – unabhängig von anderen Faktoren.
Schon gut 40 Minuten helles Licht machten einen Unterschied
Das Ergebnis: Menschen, die tagsüber im Durchschnitt mehr als 1.000 Lux Licht ausgesetzt waren, hatten ein um 16 Prozent geringeres Demenzrisiko als Teilnehmer mit geringerer Helligkeitsexposition. Ein ähnlicher Zusammenhang zeigte sich auch bei besonders hellem Licht: Bereits etwa 42 Minuten täglich mit mindestens 5.000 Lux gingen mit einem um 17 Prozent niedrigeren Risiko einher. Vergleichbare Ergebnisse fanden sich auch für andere Helligkeitsstufen.
Zum Hintergrund: Lux ist die Maßeinheit für die Beleuchtungsstärke. Sie gibt an, wie viel Licht auf eine bestimmte Fläche trifft. Je höher der Lux-Wert, desto heller ist die Umgebung. 1.000 Lux entsprechen ungefähr einem hellen, bewölkten Tag im Freien. 5.000 Lux werden draußen an einem hellen Tag problemlos erreicht. Innenräume sind meist deutlich dunkler: Dort herrschen häufig nur 100 bis 500 Lux. Ein sonniger Sommertag bringt dagegen 50.000 Lux oder mehr.
Besonders deutlich fiel der Zusammenhang in bestimmten Untergruppen aus. Dazu gehörten
- Menschen mit einer genetischen Veranlagung für Alzheimer,
- sogenannte Abend- oder Eulentypen, die von Natur aus eher spät müde werden und später aufstehen,
- Personen mit einer höheren nächtlichen Lichtexposition.
Bei ihnen war mehr Tageslicht mit einer um bis zu 41 Prozent geringeren Demenzhäufigkeit verbunden. Warum der Zusammenhang in diesen Gruppen stärker ausfiel, lässt sich aus der Studie jedoch nicht sicher ableiten.











