Ärger bei den Grünen
„Das ist ein kalkulierter Angriff“
Aktualisiert am 15.06.2026 – 17:43 UhrLesedauer: 7 Min.

Bei den Grünen brodelt es. Junge Realos und die offizielle Parteijugend liefern sich einen handfesten Streit, es geht um Spaltung. Mittendrin: Parteichefin Franziska Brantner.
Es war verdächtig ruhig. Selbst nachdem Ober-Realo Cem Özdemir die Landtagswahl in Baden-Württemberg gewonnen hatte, brach kein Richtungsstreit aus. Die für ihre Flügelkämpfe bekannten Grünen hielten die Füße still. Die Botschaft: Die Zeiten, in denen sich Parteilinke und Realos öffentlich die Augen auskratzten, sind vorbei, die Grünen sind stattdessen geeint und pragmatisch. Doch dieses Bild bekommt nun Risse.
Auslöser eines neuen Flügelstreits ist die Parteijugend. Im Zentrum des Konflikts steht allerdings Franziska Brantner. Die Parteichefin gerät zwischen die Fronten. Auf einmal ist von „Führungsversagen“ die Rede.
Doch von vorn: Die offizielle Jugendorganisation der Partei ist die Grüne Jugend. Ihr gehören rund 19.000 Mitglieder an, sie gilt als Kaderschmiede für das Führungspersonal von morgen. Spätere Parteichefs wie Ricarda Lang oder Felix Banaszak führten einst die Grüne Jugend an. Die Organisation ist außerdem deutlich linker als die Mutterpartei und versteht sich als Stachel im Fleisch der Grünen. Früher schmückte ein Igel das offizielle Parteilogo.
Doch nicht alle jungen Parteimitglieder fühlen sich von ihrer Jugendorganisation vertreten. Junge Realos, also etwas konservativere Grüne, haben seit Jahren das Gefühl, kein Gehör bei der Grünen Jugend zu finden. Einige fühlen sich mit ihren Positionen offensiv ausgegrenzt. Diskussionen über Themen würden nicht zugelassen, Realos nicht in wichtige Posten innerhalb der Organisation gewählt und ihre Anträge abgeschmettert.
Deshalb haben sich bereits 2022 einige junge Realos zum Austausch und zur Vernetzung zusammengeschlossen. Die Gruppe ging bisher nicht angriffslustig an die Öffentlichkeit, agierte eher im Hintergrund. Doch rund um ein Treffen Anfang Juni in Berlin eskaliert nun der Konflikt zwischen jungen Realos und der Grünen Jugend.
Mitarbeiter der Parteichefin war Koordinator der Jung-Realos
Vor rund anderthalb Wochen kamen in Berlin rund 120 junge Realos zu einer Akademie zusammen, es war das zweite Treffen dieser Art seit der Gründung der Gruppe. Auch Parteichefin Franziska Brantner, die dem Realo-Flügel angehört, kam zu der Veranstaltung. Pikant: Als Koordinator der Jung-Realos fungierte ausgerechnet der Leiter ihres Bundestagsbüros, wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete. Diese Funktion hat er mittlerweile aufgegeben, aber Brantner muss sich nun von der Grünen Jugend vorwerfen lassen, die Parteijugend spalten zu wollen.
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Die Parteichefin verteidigt sich gegen die Vorwürfe. „Mein Mitarbeiter im Bundestag engagiert sich ehrenamtlich bei den Jungen Realos“, sagte Brantner auch t-online. „Dies war zu keinem Zeitpunkt in meinem Auftrag und zu keinem Zeitpunkt Teil der arbeitsvertraglichen Tätigkeiten.“ Doch damit ist die Sache nicht aus der Welt. Das Treffen, seine Organisation und Finanzierung lösten hinter den Kulissen große Verstimmungen aus und legen einen Machtkampf offen.











