Nach Nein zu Olympia
Hamburg plant Milliarden-Investitionen in Sportinfrastruktur
12.06.2026 – 04:45 UhrLesedauer: 2 Min.
Innensenator Grote hält trotz Olympia-Nein an zentralen Sportprojekten fest. Geplant sind Investitionen in Arenen, Sportplätze und Bewegungsangebote.
Knapp zwei Wochen nach dem gescheiterten Olympia-Referendum bekennt sich Hamburgs Innen- und Sportsenator Andy Grote (SPD) klar zu den laufenden Sportprojekten der Stadt. „Wir halten Kurs“, sagte Grote dem „Hamburger Abendblatt“. Die Ausschreibung für den Elbdome – eine neue Arena für bis zu 9.000 Zuschauer unweit der Elbbrücken – sei bereits vergangenen Mittwoch veröffentlicht worden.
Elbdome, HSV-Arena, Millerntor: Alle Projekte sollen kommen
Der Elbdome soll nach Grotes Angaben hauptsächlich dem Profibasketball zugutekommen, aber auch Sport- und Kulturveranstaltungen beherbergen. Ebenfalls bestätigt der Senator die Zusage an den FC St. Pauli für den Ausbau des Millerntor-Stadions: „Diese Zusage steht.“
Komplizierter ist die Lage beim HSV. Für eine neue Arena im Volkspark brauche es ein tragfähiges Finanzierungskonzept unter Einbindung privater Kapitalgeber. Olympia wäre hier ein „Beschleuniger“ gewesen, so Grote. Nun müsse die Stadt das Projekt auch ohne diese Rückendeckung stemmen. Hoffnung macht dem Senator ein möglicher WM-Rückenwind: Der DFB möchte sich um die Fußball-WM 2038 oder 2042 bewerben. Hamburg hat mit der WM 2006 und der EM 2024 zwei Fußball-Sommer erlebt. An die Euphorie dieser Ereignisse, so Grote, lasse sich anknüpfen.
Olympiastützpunkt Dulsberg läuft weiter – vorerst nur auf Papier
Auch der mehr als 100 Millionen Euro teure Aus- und Umbau des Olympiastützpunkts in Dulsberg werde fortgesetzt. Man befinde sich in der Baugenehmigungsphase, der Baubeginn sei für nächstes oder übernächstes Jahr geplant.
Insgesamt will Hamburg in diesem Jahrzehnt rund eine Milliarde Euro in die Sportinfrastruktur investieren – für Schulsporthallen, Sportplätze und Bewegungsangebote im öffentlichen Raum. Daran ändere das Scheitern der Olympiabewerbung nichts, betonte Grote.
Was ohne Olympia nicht mehr geht
Trotz der kämpferischen Ansage räumt der Senator ein, was fehlt: „Es geht vor allem nichts Zusätzliches.“ Mit Olympia hätte Hamburg zusätzliche Mittel mobilisieren und neue Veranstaltungsformate finanzieren können, deren Kosten aus dem regulären Sportetat nicht zu decken seien. „Dieser Rückenwind fehlt uns.“
Zudem dürften Welt- und Europameisterschaften in den nächsten Jahren eher an den deutschen Olympiabewerber München gehen. Hamburg müsse sich aber nicht verstecken, so Grote: Mit der Triathlon-WM 2027 stehe das nächste internationale Highlight bereits fest.
Schule statt Stadion: Sport für alle Kinder
Neben den Großprojekten betont Grote ein zweites Ziel: mehr Sport für Kinder im Schulalltag. Geplant sind fünf Stunden Sport und Bewegung pro Woche im schulischen Ganztag – zwei davon sollen über Sportvereine organisiert werden, die dafür vergütet werden sollen. Außerdem sollen alle Kinder nach der Grundschule sicher schwimmen können. Dafür wurden bereits 19.000 Bäderland-Gutscheine an Hamburger Erstklässler ausgegeben. „Sport ist ein Rettungsring, den wir Eltern zuwerfen, die zum Teil verzweifeln, weil sie ihre Kinder nicht mehr vom Display loskriegen“, sagte Grote und verwies auf die Bewegungsempfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO für Kinder und Jugendliche.
Das Scheitern der Olympiabewerbung begründete Grote unter anderem mit dem negativen Votum von 2015, das wie eine „psychologische Vorbelastung“ gewirkt habe, sowie mit einer verbreiteten Skepsis gegenüber Großprojekten und Sorgen vor steigenden Mieten und Kosten. Anders als München oder die Rhein-Ruhr-Kommunen stehe Hamburg als Stadtstaat ohne starkes Flächenland im Hintergrund da – und trage Investitionen weitgehend allein.











