Laut Studie
Diese Nahrungsergänzung könnte Alzheimer beschleunigen
10.06.2026 – 12:16 UhrLesedauer: 2 Min.
Ein Mittel gegen Gelenkbeschwerden könnte Alzheimer verschlimmern. Darauf deutet eine neue Studie aus den USA hin.
Glucosamin gilt als beliebtes Nahrungsergänzungsmittel bei Gelenkbeschwerden. Viele Menschen nehmen es etwa bei Arthrose regelmäßig ein. Doch nun liefert eine neue Studie Hinweise darauf, dass das Mittel bei Menschen mit Gedächtnisproblemen und Alzheimer unerwünschte Folgen haben könnte. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift „Nature Metabolism“ nachzulesen.
Gut zu wissen
Ob Glucosamin tatsächlich die Gelenkfunktion verbessert oder bei einer Erkrankung des Gelenkknorpels hilft, ist wissenschaftlich nicht belegt. Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie etwa empfiehlt bei einer Kniearthrose die Behandlung mit Glucosamin entsprechend ausdrücklich nicht. Dennoch setzen viele Betroffene ihre Hoffnung auf das Mittel.
Höheres Risiko für den Übergang in Alzheimer
Forscher der University of Florida werteten Gesundheitsdaten von Patienten aus, bei denen entweder eine leichte kognitive Beeinträchtigung oder bereits eine Demenzerkrankung diagnostiziert worden war. Mithilfe Künstlicher Intelligenz analysierten sie Krankenakten aus den Jahren 2012 bis 2024.
Das Ergebnis: Menschen mit einer leichten kognitiven Beeinträchtigung, die Glucosamin einnahmen, hatten ein um 25 Prozent höheres Risiko, dass ihre Erkrankung in eine Demenz überging. Zudem zeigte sich bei Patienten mit Alzheimer oder anderen Demenzformen ein um 25 Prozent erhöhtes Sterberisiko.
Die Wissenschaftler betonen jedoch, dass die Untersuchung lediglich einen Zusammenhang nachweist. Ob Glucosamin tatsächlich die Ursache für die schnellere Krankheitsentwicklung ist, kann die Studie nicht belegen.
Möglicher Einfluss durch Stoffwechsel
Um den möglichen Ursachen auf den Grund zu gehen, untersuchten die Forscher auch Gehirngewebe von Alzheimerpatienten sowie genetisch veränderte Mäuse.
Dabei stießen sie auf einen Stoffwechselweg, bei dem Eiweiße mit Zuckerstrukturen versehen werden (sogenannte Glykosylierung). Dieser Prozess scheint im Alzheimergehirn überaktiv zu sein. Glucosamin könnte dieses Anheften von Zuckerresten zusätzlich verstärken.
In den Tierversuchen verschlechterte sich unter Glucosamin die soziale Gedächtnisleistung der Mäuse. Wurde der betreffende Stoffwechselprozess hingegen gehemmt, verbesserten sich die Gedächtnisleistungen.
Was bedeutet das für Betroffene?
Die Ergebnisse sollten nach Ansicht der Forscher ernst genommen werden, sind aber noch kein Grund zur Panik. Klinische Studien mit Menschen müssen nun zeigen, ob Glucosamin tatsächlich den Verlauf von Alzheimer beschleunigt.
Bis dahin raten die Wissenschaftler insbesondere Personen mit einer diagnostizierten Demenz oder leichten Gedächtnisstörungen dazu, die Einnahme von Glucosamin mit ihrem Arzt zu besprechen. Vor allem ältere Menschen greifen häufig zu dem frei verkäuflichen Präparat, um Gelenkschmerzen zu lindern.










