Geschlecht unklar?
Scharfe Kritik an Englischprüfung in NRW – Ministerium reagiert
03.06.2026 – 15:27 UhrLesedauer: 2 Min.
Eine Aufgabenstellung in der zentralen Englischprüfung für die zehnten Klassen in NRW verunsichert viele Schülerinnen und Schüler. Das Ministerium beschwichtigt.
Pannen bei Abschluss- oder Abiturprüfungen in Nordrhein-Westfalen häuften sich in den vergangenen Jahren, nun löst eine Aufgabe in einer Englischklausur Wirbel aus – vor allem in den sozialen Medien. Schülerinnen und Schüler empören sich vor allem auf TikTok und Instagram über die zentrale Abschlussprüfung in Englisch in der zehnten Klasse – denn in der Prüfung war zahlreichen Prüflingen offenbar das Geschlecht der Protagonisten unklar.
Mehrere Tausend Mal wurden die Videos zu „Ash und Jay“ bereits angeklagt. Sie sind die Hauptfiguren im Roman „Crash Landing“ von Charmaine Anne Li. In der Klausur soll in verschiedenen Aufgabenstellungen das Verhältnis der beiden Protagonisten erläutert werden. Viele Schülerinnen und Schüler hielten Jay dabei allerdings für einen Jungen, obwohl sie eigentlich ein Mädchen ist.
Kritik an Englischprüfung: Schüler kritisieren Aufgabenstellung in NRW
Im Anschluss an die Prüfung sorgen sich die Zehntklässler daher um ihr Prüfungsergebnis. Viele befürchten, dass sie falsche Possessivpronomen verwendet haben oder Punktabzüge bekommen, weil sie angenommen haben, dass Jay ein Junge ist. Die Herleitung ist plausibel, ist Jay ein beliebter Jungenname im englischsprachigen Raum.
Die Videos auf TikTok und Instagram erreichen auch die Politiker im nordrhein-westfälischen Landtag. Auf Bestreben der FDP-Landtagsfraktion wird das Thema im Ausschuss für Schule und Bildung behandelt. Sie fordert, dass NRW-Bildungsministerin Dorothee Feller (CDU) Stellung zu den vermeintlichen Unklarheiten in der Aufgabenstellung bezieht.
Geschlecht unklar: Wirbel um Englischprüfung in Nordrhein-Westfalen
Das Ministerium betont, dass die Aufgabenstellung klar den „Kompetenzerwartungen für die Jahrgangsstufe 10“ entsprochen hätte. In Einleitung und Text hätte es ausreichend Hinweise darauf gegeben, dass es sich bei Jay um ein Mädchen handeln würde. Auch die Aufgabenstellung hätte dies erkennen lassen.
In der Klausur, die der Düsseldorfer Redaktion von t-online aus informierten Kreisen im Bereich des Bildungsministeriums zugespielt wurde, heißt es tatsächlich: „Analyse the girls‘ discussion about Jay’s idea of working together.“ An anderer Stelle steht: „Jay and her new neighbour Ash“.
Das NRW-Bildungsministerium führt weiter aus, dass es keinerlei Beschwerden oder negative Rückmeldungen über die Hotline des Ministeriums zur Prüfung gegeben hätte. Ministerin Feller stellte auch fest: „Selbst bei einer falschen Geschlechterzuordnung hat dies keine gravierenden Auswirkungen auf die inhaltliche Bewertung. Mögliche sprachliche Fehler werden als Folgefehler nur geringfügig berücksichtigt.“
Weitere Maßnahmen, die Materialien nachträglich anpassen zu müssen, sahen die Verantwortlichen nicht.
„Jay und Ash“: FDP kritisiert Vorgehen von Bildungsministerium
Die schulpolitische Sprecherin der FDP, Franziska Müller-Rech, zeigte sich im Anschluss an den Bericht erleichtert über die Entscheidung. Es sei positiv, dass die Schülerinnen und Schüler keine negativen Konsequenzen zu befürchten hätten. „Diese Botschaft wäre allerdings schon während der öffentlichen Debatte hilfreich gewesen. Die Aufregung unter den Betroffenen war real – auch wenn sie vor allem auf TikTok und damit offenbar nicht im Ministerium sichtbar war“, so Müller-Rech weiter.
Die zentralen Prüfungen in der zehnten Klasse werden in ganz Nordrhein-Westfalen einheitlich vom Bildungsministerium gestellt. Sie dienen als Abschlussprüfung für die Mittlere Reife, müssen allerdings auch von Schülerinnen und Schülern bestanden werden, die im Anschluss das Abitur anstreben.











