Studie liefert neue Hinweise
Ist die „Zombie-Hirsch-Krankheit“ doch auf Menschen übertragbar?
02.06.2026 – 15:22 UhrLesedauer: 3 Min.
In Nordamerika und Norwegen können sich Hirsche mit der sogenannten Zombie-Hirsch-Krankheit infizieren. Nun liefert eine Studie Hinweise, dass die Gefahr für Menschen größer ist als bislang angenommen.
Die Chronic Wasting Disease (CWD; „chronisch auszehrende Krankheit“), umgangssprachlich auch „Zombie-Hirsch-Krankheit“ genannt, befällt Hirsche, Elche und andere Hirscharten. Infizierte Tiere sind zunächst träge, verwirrt und haben Probleme, sich zu bewegen. Im weiteren Verlauf zehren sie stark aus und sterben schließlich. Verursacht wird die Erkrankung durch sogenannte Prionen – fehlgefaltete Eiweiße, die über den Urin oder den Speichel übertragen werden. Einmal im Körper, können Prionen schwere Hirnschäden auslösen.
Bekannt wurden Prionen vor allem durch den Rinderwahn (BSE), der in den 1990er-Jahren auch Menschen infizierte und die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit verursachte. Anders als bei BSE galt das Risiko für eine Übertragung von CWD auf den Menschen jedoch als sehr gering. Eine neue, im Fachjournal „Science Advances“ veröffentlichte Studie wirft nun aber erneut die Frage auf, ob die Hirschkrankheit nicht doch auf den Menschen überspringen könnte. Denn nach dieser Studie können Hirschprionen sehr wohl ins Gehirn von Primaten eindringen und dort Veränderungen verursachen.
Warum heißt es „Zombie-Hirsch-Krankheit“?
Der Name ist keine wissenschaftliche Bezeichnung. Er beruht auf den Symptomen der Erkrankung, zu denen neben den oben genannten auch Sabbern, Starren und fehlende Scheu vor Menschen gehören.
Forscher untersuchten Makaken
Für die Studie arbeiteten Wissenschaftler mit Javaner-Affen (Cynomolgus-Makaken). Diese Makaken werden als Modell genutzt, um mögliche Risiken für Menschen zu untersuchen. Einige Tiere erhielten Gewebe von infizierten Hirschen und Elchen über die Nahrung, andere die Erreger direkt ins Gehirn.
Die Forscher beobachteten die Tiere über mehrere Jahre. Die meisten Affen entwickelten keine eindeutigen Krankheitszeichen. Zwei Tiere zeigten jedoch Symptome wie Gewichtsverlust, Zittern, Koordinationsstörungen und auffälliges Verhalten. Ob wirklich eine Prionenerkrankung für die Beschwerden verantwortlich war, ist nicht genau bestätigt.
Nach vier bis acht Jahren schläferten die Forscher die Affen ein, um deren Nervengewebe zu untersuchen. Moderne, besonders empfindliche Nachweisverfahren machten geringe Mengen der krankhaften Eiweiße in allen infizierten Affen sichtbar.
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Neue Prionen blieben offenbar infektiös
Ebenfalls aufschlussreich war, was danach geschah: Die Forscher übertrugen Gewebeproben der infizierten Makaken auf speziell gezüchtete Mäuse, die für Hirschprionen empfänglich sind. Einige dieser Tiere entwickelten krankhafte Veränderungen an Gehirn und Nervenzellen. Auch eine weitere Übertragung auf Rötelmäuse verursachte bei den Tieren eine Prionenerkrankung.
Nach Ansicht der Autoren spricht dies dafür, dass sich die Erreger zumindest in geringem Umfang in den Affen vermehren konnten und auch nach mehreren Wirtswechseln infektiös bleiben. Damit stellen die Ergebnisse frühere Untersuchungen infrage, die von einem nahezu vollständigen Schutz von Primaten gegenüber der Krankheit ausgegangen waren.











