Zweifel an Klimapolitik
China lässt 700 Millionen Tonnen CO2 verschwinden
31.05.2026 – 17:18 UhrLesedauer: 4 Min.

China positioniert sich in der neuen Weltordnung als Gegenpol zu den USA. Besonders durch den Ausbau klimafreundlicher Technologien löst es mitunter Staunen aus. Doch wer genau hinsieht, erkennt, worum es wirklich geht.
In keinem Land der Welt werden die erneuerbaren Energien so schnell ausgebaut wie in China. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) gingen zwischen 2019 und 2024 rund 40 Prozent der weltweit gebauten Erneuerbaren-Kapazitäten auf China zurück. Das Land hat 2025 volle 67 Prozent der weltweiten Solarkapazitäten errichtet, bis Ende 2026 sollen Wind und Solar die Hälfte des Stroms in dem Land liefern. China hat in fünf Jahren so viel Solar- und Windanlagen ausgebaut wie Deutschland in 20 Jahren.
Diese Zahlen, kombiniert mit einer Wirtschaftspolitik, die auf Dominanz in den klimafreundlichen Technologien (Solarzellen, Wärmepumpen, Elektroautos) ausgerichtet ist, lassen viele Experten mutmaßen, dass China der erste Elektrostaat der Welt werden könnte. Also: Ein Land, das nahezu vollständig auf klimafreundliche Technologien aus Strom umgestiegen ist.
China übernimmt die alte Rolle der USA
Dies steht im krassen Kontrast zu Chinas Gegenspieler, den USA. Unter Donald Trump stellen sich die Vereinigten Staaten wieder voll auf Öl und Gas ein. Trump bedroht Freunde wie Feinde mit Zöllen, wenn sie keine fossilen Brennstoffe mehr aus seinem Land beziehen. In ihrer Nationalen Sicherheitsstrategie haben die USA die Abhängigkeit Europas von Energielieferungen zu einem strategischen Ziel erklärt. Und die Klimapolitik wurde so gut wie ganz abgeschafft, CO2 gilt nun offiziell als unschädlich.
Diesen Rückschritt versucht China gezielt auszuspielen. So hat Regierungschef Xi Jinping bei der UN-Generalversammlung 2025 die neuen Klimaschutzziele seines Landes öffentlich skizziert. Bis 2035 sollen die Treibhausgasemissionen zum Beispiel um sieben bis zehn Prozent unter dem Höhepunkt liegen. Dieser Höhepunkt soll vor 2030 erreicht sein.
Das sind schwammige Ziele, und es ist nach Ansicht von Klimaexperten unzureichend. Um das Pariser Klimaabkommen zu erfüllen und die globale Erderwärmung auf 1,5 Grad zu beschränken, müsste China bis 2035 eine Treibhausgasreduktion von mindestens 30 Prozent anstreben. Aber aus Sicht vieler Experten kann China dieses Ziel auch erreichen, wenn es im selben Tempo den Ausbau der Erneuerbaren vorantreibt.
China lässt 700 Millionen Tonnen CO2 verschwinden
Aber darauf vertrauen sollte man nicht unbedingt – oder zumindest sollte man den chinesischen Plänen mit einer gesunden Skepsis begegnen. Denn es stellt sich die Frage, ob man den offiziellen Werten der chinesischen Regierung glauben kann. Wie das Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) in dieser Woche berichtete, hat China nämlich plötzlich die Berechnungsgrundlage für seine CO2-Emissionen verändert. Dadurch sind 700 Millionen Tonnen CO2 einfach verschwunden. Wie die Analystin Lauri Myllyvirta schreibt, entspreche dies etwa der gesamten Menge an CO2-Emissionen in Deutschland in einem Jahr.













