Belastung durch Ohrgeräusche
Wann eine Krankschreibung mit Tinnitus sinnvoll ist
Aktualisiert am 21.05.2026 – 07:56 UhrLesedauer: 4 Min.
Tinnitus belastet – doch eine Krankschreibung hilft nicht immer. Wie sich Ohrgeräusche lindern und die Arbeitsfähigkeit sichern lassen.
Wen der Tinnitus plagt, der kann sich vom Arzt krankschreiben lassen. Die Dauer hängt vom Einzelfall und der Intensität der Beschwerden ab. Oft werden Betroffene zunächst für ein paar Tage bis zwei Wochen krankgeschrieben. Wann eine Krankschreibung bei Ohrgeräuschen sinnvoll ist, warum sie nicht immer guttut und was Betroffenen helfen kann.
Ein Volksleiden: Tinnitus betrifft viele Menschen
Laut dem Bundesministerium für Gesundheit haben 5 bis 15 Prozent der Erwachsenen irgendwann länger andauernde Ohrgeräusche. Tinnitus ist der lateinische Begriff für „Klingeln“. Die Ohrgeräusche, die Betroffene wahrnehmen, können ein Klingeln sein, aber auch ein Pfeifen, Piepen, Brummen, Summen, Klopfen oder Rauschen. Intensität und Lautstärke der Ohrgeräusche können variieren. Sie können einseitig oder beidseitig auftreten. Sie können kommen und gehen oder dauerhaft präsent sein.
Oft erheblicher Leidensdruck durch Tinnitus
Je nach Ausprägung kann Tinnitus mit einem erheblichen Leidensdruck verbunden sein. Laut der Deutschen Tinnitus-Liga e. V. leiden rund 1,5 Millionen Menschen hierzulande „sehr“ unter ihren Ohrgeräuschen. Je länger Tinnitus anhält und je intensiver die Geräusche im Ohr wahrgenommen werden, desto belastender empfinden Betroffene die Situation. Von chronischem Tinnitus sprechen Experten, wenn die Ohrgeräusche länger als drei Monate anhalten. Der Tinnitus-Liga zufolge bekommen etwa 250.000 Deutsche jährlich einen chronischen Tinnitus.
Krankschreibung bei Tinnitus – hilft das?
Tinnitus kann als starke Belastung wahrgenommen werden. Die Ohrgeräusche stören den Schlaf und die Regeneration, verursachen oft Sorgen und Ängste, schmälern die Konzentration und die Leistungsfähigkeit im Alltag und beeinträchtigen die Lebensqualität vieler Betroffenen erheblich. Die ständigen Geräusche im Ohr werden von vielen Betroffenen als zermürbend erlebt. Eine Krankschreibung kann kurzfristig helfen und entlasten – etwa bei akutem Beginn, starkem Stress oder wenn weitere gesundheitliche Beschwerden die Situation zusätzlich erschweren.
Aus der Passivität in die Aktivität kommen
Auf Dauer verstärken Rückzug und das Gefühl, krank und eingeschränkt zu sein, jedoch oft die Wahrnehmung des Tons – und damit auch die Angstspirale. Nicht selten verlagert sich während einer Krankschreibung die Aufmerksamkeit der Betroffenen verstärkt auf das Ohrgeräusch.
Viele Betroffene fokussieren sich in Ruhephasen besonders intensiv auf den Ton. Das kann nicht nur die Wahrnehmung verstärken, sondern auch die empfundene Belastung. Eine Krankschreibung ist daher eine kurzfristige Maßnahme. Langfristig ist es für Betroffene wichtig, aus dem Gefühl der Hilflosigkeit herauszukommen und die Erfahrung zu machen, aktiv etwas beizutragen und gegen den Tinnitus tun zu können. Zu wissen, den Ohrgeräuschen nicht ausgeliefert zu sein, stärkt das Gefühl der Selbstwirksamkeit und unterstützt den Umgang mit den Geräuschen im Ohr.
Was kann Tinnitus lindern?
Je stärker Tinnitus in das Leben eingreift, desto wichtiger sind Maßnahmen, die dabei helfen, die Aufmerksamkeit von den Ohrgeräuschen weitestgehend wegzulenken und zugleich einen Umgang mit den störenden Geräuschen zu finden. Laut der Tinnitus-Liga ist die kognitive Verhaltenstherapie die Behandlung der Wahl bei belastendem Tinnitus.
Die Therapie verfolgt den Ansatz, dass die Tinnitus-Belastung weniger von der Lautstärke der Ohrgeräusche abhängt als davon, wie man damit umgeht. Die Therapie hat das Ziel, Betroffenen dabei zu helfen, Bewältigungsstrategien zu entwickeln (Tinnitus-Counseling), die zu ihren Bedürfnissen passen. Das gibt im Alltag mehr Halt und Sicherheit und lindert Gefühle von Kontrollverlust und Frust.












