Riskante Technik im Fußball
Warum nur ein Amateurspiel dem Hirn messbar schaden kann
20.05.2026 – 13:27 UhrLesedauer: 3 Min.
Kopfbälle können dem Gehirn schaden: Das gilt nicht nur im Profifußball, sondern auch für Amateurspieler, wie eine aktuelle Studie zeigt.
Laut einer kürzlich in „Jama Neurology“ veröffentlichten Studie lassen Kopfbälle im Amateurfußball bestimmte Blutwerte, welche auf Nervenschäden hinweisen, kurzfristig ansteigen. Dieser Effekt war umso stärker ausgeprägt, je öfter und härter die Spieler den Ball mit dem Kopf trafen. Das Ergebnis legt nahe, dass selbst Kopfbälle auf Amateurniveau das Hirngewebe akut schädigen können.
Langfristige Folgen von Kopfstößen
Wer Fußballsport hauptberuflich ausübt, muss womöglich mit Spätfolgen rechnen: Ex-Profispieler entwickeln im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung häufiger eine Alzheimerdemenz oder andere Erkrankungen, die mit dem Absterben von Nervenzellen im Gehirn einhergehen. Schuld daran sind vermutlich wiederholte Kopfstöße, wie etwa bei Kopfbällen.
Wie sich diese akut auf die Unversehrtheit des Gehirns und seine Funktionen auswirken, ist bislang allerdings unklar. Darum wollte ein Forschungsteam aus den Niederlanden mithilfe von Blutuntersuchungen herausfinden, ob ein Zusammenhang zwischen Kopfbällen und der Konzentration bestimmter Stoffe im Blut besteht, die als Biomarker für geschädigtes Nervengewebe gelten.
Ablauf der Studie
An der Studie nahmen 302 männliche Amateurfußballer teil. Alle Teilnehmer waren über 18 Jahre alt (das Durchschnittsalter betrug 24,6 Jahre) und wiesen in ihrer Vorgeschichte keine neurologische Erkrankung auf. Jeder bestritt eines von insgesamt elf organisierten Fußballspielen und gab dabei drei Blutproben ab: eine vor dem Spiel, eine direkt nach dem Spiel und eine weitere 24 bis 48 Stunden später.
Mithilfe von Videoaufnahmen der Fußballspiele wertete das Forschungsteam aus, wie oft und wie hart jeder Teilnehmer den Ball mit dem Kopf traf. Anhand der entnommenen Blutproben ermittelte das Team die Konzentration mehrerer Biomarker im Blutplasma, darunter:
- phosphoryliertes Tau-Protein 217 (p-Tau217), welches ein erhöhtes Risiko für Alzheimer anzeigen kann, sowie
- das Protein S100B, das auf akute Hirnschäden hinweisen kann.
Ergebnisse der Studie
72 Prozent der Teilnehmer köpften den Ball während der Spiele mindestens einmal. Im Durchschnitt führte jeder von ihnen etwa zwei Kopfbälle pro Spiel aus. Fast die Hälfte der Spieler war dabei erhöhten Belastungen ausgesetzt, weil die Ballflugbahn mehr als 20 Meter lang und der Aufprall entsprechend stark war.
Bei allen Kopfballspielern kam es zu einem akuten Anstieg der Biomarker für Nervenschädigungen: Unmittelbar nach dem Spiel war die S100B-Konzentration im Blut bei ihnen deutlich höher als bei den restlichen Teilnehmern. Nach mehrfachen oder kräftigen Kopfballstößen war neben S100B auch vermehrt p-Tau217 im Blut nachweisbar.
Dabei ergab sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen der Höhe der Belastung und der daraus resultierenden Wirkung: Je stärker die Belastung durch Kopfbälle war, umso höher stieg die Konzentration der beiden Biomarker im Blut an. Innerhalb von 24 bis 48 Stunden normalisierten sich die Messwerte allerdings wieder.












