„Hab Mut, steh auf“
Ein Katholikentag in unruhigen Zeiten
Aktualisiert am 15.05.2026 – 04:45 UhrLesedauer: 3 Min.
Kriege, gesellschaftliche Spaltung, wirtschaftliche Schieflage: Vieles beschäftigt gerade die Menschen. Auf dem Katholikentag in Würzburg jedoch wird Zuversicht bemüht.
Die Zeiten sind rau. Aber man könnte das an diesem Nachmittag in Würzburg glatt vergessen. Die Sonne kommt raus, die Menschen mit ihren Katholikentag-Schals um den Hals oder an den Rücksäcken gebunden flanieren durch die malerische Innenstadt. Es ist ein Katholikentag im katholischen Stammland, in Unterfranken am Main, wo die Volkskirche und die Verbandsarbeit noch vergleichsweise lebendig sind, wo der barocke Glanz der Kirchen und Klöster besonders schön leuchtet.
Und doch: Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) feiert seinen Katholikentag in unruhigen Zeiten. Das gilt für die Kirche selbst. Und das gilt für die komplette Gesellschaft. Umso bemerkenswerter ist es, wie gerade die politischen Akteure auf dem Katholikentag Zuversicht verbreiten: „Die Polarisierung ist eine unserer größten Krankheiten“, warnt Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU).
Optimismus vorleben
Doch sich wegzuducken, Deutschlands Lage schlechtzureden und immer nur zu schimpfen, ändere nichts. Stattdessen gelte es gerade für Politiker, Optimismus vorzuleben und die Gesellschaft zu beruhigen. „Ansonsten gewinnen die, die die Polarisierung vorantreiben“, so Dobrindt.
Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier liegt es bei seinem letzten Katholikentag seiner Amtszeit daran, die Bürgerinnen und Bürger wachzurütteln, zu motivieren. „Die Demokratie geht nicht ohne gesellschaftlichen Zusammenhalt“, sagt er vor mehr als tausend Zuhörern. „Wir brauchen so etwas wie gesellschaftliche Gegenwehr“, sei es gegen extremistische Strömungen oder Parteien, die am System rüttelten. Mitunter wird die AfD genannt, die Partei, deren Repräsentanten allerdings auf dem fünftägigen Großevent gar nicht zu sehen sind. Sie sind bewusst nicht eingeladen worden.
Der Katholikentag als Bühne für die Politik, Zuversicht zu verbreiten, Hoffnung zu geben? Die Frage, wie politisch die Kirche denn sein darf, hat vor allem im Vorjahr die Gemüter erhitzt. Als Kirchenvertreter und -vertreterinnen sich kritisch über den Kurs der Union in der Migrationspolitik geäußert hatten, reagierten Unionspolitiker teils harsch.
Klöckner will nicht, dass Kirche dem Zeitgeist folgt
Auf dem Katholikentag nun sagt Dobrindt: „Ich würde mir beim Lebensschutz eine viel lautere Stimme der Kirche wünschen“, beim Klimaschutz sei die Kirche eher eine Klimareligion, grundsätzlich würde er sich bei vielen Fragen eine lautere Kirche wünschen. Kirche habe mit die größte Bindungswirkung in einer Gesellschaft.
Auch Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) findet, Kirchen sollten nicht ständig dem Zeitgeist folgen. „Viele Menschen erwarten von der Kirche vor allem spirituelle Impulse, nicht Austauschbarkeit oder Beliebigkeit. Wenn Kirche dem Zeitgeist gefallen und sich ständig neuen innerweltlichen Trends anpassen will, verliert sie ihr Alleinstellungsmerkmal“, sagte Klöckner der „Augsburger Allgemeinen“ (Freitag). Kirche müsse stattdessen „sie selbst bleiben, über das Hier und Jetzt hinausweisen und Halt bieten in den grundlegenden Fragen, denen von Anfang und Ende des Lebens“.











