Süße Sensation aus Dresden
Schweizer Mythos geplatzt: Wer wirklich die Milchschokolade erfand
Aktualisiert am 13.05.2026 – 20:33 UhrLesedauer: 2 Min.
Jahrzehntelang galt die Schweiz als Geburtsort der Milchschokolade. Forscher haben nun bewiesen, dass die süße Erfindung aus Dresden stammt.
Wer hat eigentlich die Milchschokolade erfunden? Lange Zeit dachte man, die erste Vollmilchschokolade sei im Jahr 1875 von dem Schweizer Unternehmer Daniel Peter hergestellt worden. Aber: Zwei Dresdner waren 36 Jahre schneller. Das haben Forscher vom Dresdner Wissenschaftlerverein Wimad e. V. im Jahr 2011 herausgefunden.
Die Wissenschaftler entdeckten eine Werbeanzeige vom 22. Mai 1839 im „Dresdner Anzeiger“. Darin ist die Rede von einer „Chocolade mit Eselsmilch präpariert, ohne Gewürz“ – einer Milchschokolade also – sowohl „zum Kochen“ als auch „zum Rohessen“. Diese Anzeige stammt von dem Dresdner Schokoladenunternehmen Jordan & Timaeus.
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Gottfried Heinrich Christoph Jordan wurde am 9. Mai 1791 im sachsen-anhaltinischen Hasserode geboren, das heute ein Stadtteil von Wernigerode im Harz ist. In Braunschweig traf Jordan seinen späteren Geschäftspartner August Friedrich Timaeus (1794 –1875). 1823 beschlossen die beiden Unternehmer, in Dresden eine Fabrik zu gründen. Diese befand sich zwischen der heutigen Timaeus- und der Jordanstraße.
Dampfmaschine erlaubte die Schokoladenproduktion
In ihrer Fabrik stellten Jordan und Timaeus zunächst Kaffee-Ersatz und Nudeln her. Im Jahr 1830 konnten die beiden Unternehmer eine Dampfmaschine aufstellen und zur Schokoladenfabrikation übergehen. Die Firma wuchs und wurde zum größten Unternehmen Dresdens mit mehr als 200 Mitarbeitern. Jordan & Timaeus durfte schließlich auch als Hoflieferant den sächsischen und österreichischen Königshof versorgen.

Die Milchschokolade, die Jordan und Timaeus 1839 auf den Markt brachten, bestand aus 60 Prozent Kakao, 30 Prozent Zucker und 10 Prozent Eselsmilch, welche damals viel verbreiteter war als Kuhmilch. Die Wimad-Forscher versuchten, die Milchschokolade nach dem Rezept aus Dresden herzustellen, und fanden heraus, dass sie sich deutlich von dem unterschied, was wir heute als Vollmilchschokolade kennen: Die Kakaomasse war wesentlich gröber gemahlen, was die Schokolade körnig und schwer zu kauen machte. Sie war auch herber und dunkler als heutige Milchschokolade. Da die Milch damals nicht in Form von Milchpulver, sondern in flüssiger Form zum Einsatz kam, waren die Produkte zudem kaum haltbar und zeigten rasch einen grauen Schleier an der Oberfläche.











