Werkschließung nach Insolvenz
Manroland stellt Betrieb ein – 660 Jobs fallen weg
Aktualisiert am 23.04.2026 – 15:22 UhrLesedauer: 2 Min.
Ein hessischer Druckmaschinenhersteller beendet die Fertigung zum 31. Mai, alle Rettungsversuche nach der Insolvenz scheiterten. Die Gewerkschaft erhebt schwere Vorwürfe.
Manroland Sheetfed schließt seinen Standort in Offenbach: Zum 31. Mai endet die Fertigung neuer Druckmaschinen, ab 1. Juni der reguläre Betrieb. Mindestens 660 der rund 750 Beschäftigten verlieren damit ihren Arbeitsplatz, berichtet die „Hessenschau“.
Der Großteil der Belegschaft werde zum 1. Juni freigestellt. Nur 84 Mitarbeiter bleiben vorerst, um letzte Aufträge abzuwickeln und einen möglichen Verkauf des Ersatzteil- und Servicegeschäfts zu begleiten. Die vollständige Abwicklung soll nach Unternehmensangaben bis Ende 2026 abgeschlossen sein.
Das Unternehmen hatte Ende Februar Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Alle Rettungsversuche im Schutzschirmverfahren scheiterten. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz sagte gegenüber der Zeitung „Bild“, man habe weltweit nach Investoren gesucht – ohne Erfolg: Überall gebe es Überkapazitäten für Druckanlagen, seriöse Angebote seien ausgeblieben. Allein 2025 habe das Unternehmen mehr als 40 Millionen Euro Verlust gemacht. Neben zu geringer Auslastung und zu hohen Kosten herrsche extremer Preisdruck – die Maschinen seien nicht kostendeckend zu verkaufen.
Auch das ursprünglich geplante Fortführungskonzept für das Service- und Ersatzteilgeschäft in Offenbach ließ sich nicht retten. Geiwitz sagte, es gebe zwar Interessenten – nach aktuellem Stand werde aber auch dieses Geschäft nicht in Offenbach fortgeführt. Ein Unternehmenssprecher teilte mit, Gespräche mit möglichen Käufern dauerten an; das Unternehmen erwarte einen positiven Abschluss.
Die IG Metall macht dem britischen Eigentümer Langley Holdings schwere Vorwürfe. Manuel Schmidt, Erster Bevollmächtigter der Gewerkschaft, sagte, das Unternehmen sei systematisch ausgeblutet worden – Investitionen habe es seit Jahren keine mehr gegeben. Offenbachs Oberbürgermeister Felix Schwenke schloss sich dieser Kritik an. Gemeinsam mit Schmidt forderte er, Eigentümer Anthony Langley solle seiner Verantwortung gegenüber den Beschäftigten nachkommen. Konkret verlangen Gewerkschaft und Betriebsrat eine gut ausgestattete Transfergesellschaft sowie volle Transparenz über alle Verkaufs- und Stilllegungspläne.
Manroland wurde 1871 gegründet und gilt nach eigenen Angaben als einer der ältesten Druckmaschinenhersteller weltweit. Langley Holdings übernahm den Sheetfed-Bereich 2012. Der Markt für Druckmaschinen hat sich seither nach Unternehmensangaben deutlich rückläufig entwickelt – Umsätze sanken, Verluste stiegen. Für das Unternehmen war es am Ende eine Abhängigkeit, die der Eigentümer nicht länger tragen wollte: Ein Sprecher verwies auf die „dauerhafte Abhängigkeit von laufend erfolgenden Gesellschafterfinanzierungen“ als Grund für das Ende.










