Aktualisiert am 18.04.2026 – 11:03 UhrLesedauer: 7 Min.
Kann der Buckelwal vor der Ostseeküste noch gerettet werden? Sein Schicksal spaltet das Land und wird für die kleine Insel Poel zunehmend zur Zerreißprobe.
Patrick Diekmann berichtet von der Ostseeinsel Poel.
Sie blickt gebannt durch die Lücken eines Bauzaunes in die Ferne, in der sie hinter Weidewiesen im Meer nur kleine schwarze Punkte erahnen kann. Kathrin aus Rostock ist eigentlich krankgeschrieben, sie möchte ihren richtigen Namen nicht nennen. Trotzdem will sie an diesem Freitag noch einmal bei ihm sein, dem Buckelwal Timmy, der Anfang April vor der Ostseeinsel Poel strandete. „Hope“ nennt sie ihn, so wie viele andere im Land. An diesem Tag soll er endlich befreit werden.
Im Video | „Es könnte der entscheidende Tag sein“
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Nun steht Kathrin mit etwa hundert anderen Menschen, die sich für die Rettung des Wals einsetzen, vor einer Absperrung, die die Polizei etwa 400 Meter vor dem Wal errichtet hat. Sie begutachtet die Tätowierungen ihres linken Arms. Sie kann sich vorstellen, den Buckelwal darauf tätowieren zu lassen. Aber noch habe sie kein passendes Motiv gefunden, scherzt sie. Täglich verfolgt Kathirn die Entwicklungen um den Wal im Livestream: „Der Wal zeigt uns, dass wir Menschen wieder mehr zusammenstehen müssen“, sagt sie. „Zum Glück haben jetzt die wahren Experten das Sagen.“
Mit den „wahren Experten“ meint Kathrin den Mediamarkt-Mitgründer Walter Gunz und die Unternehmerin Karin Walter-Mommert. Die wollen das in dem flachen Wasser der Bucht liegende Tier mithilfe von Luftkissen und Schwimmpontons anheben und bis in die Nordsee oder in den Atlantik schleppen lassen. Die Behörden dulden diese Rettungsaktion. Ob sie gelingt, ist fraglich. Wissenschaftler und Tierschützer bezweifeln das. Sie sind überzeugt, dass der Wal sterben wird und plädieren dafür, ihm das in Ruhe zu ermöglichen. Die vom Land Mecklenburg-Vorpommern und der Landesregierung konsultierten Experten haben sich daher zurückgezogen.











