Parteispitze verhindert Pressemitteilung
Wie hart die AfD sich jetzt von Trump abnabelt
19.03.2026 – 19:41 UhrLesedauer: 5 Min.

AfD-Chefin Alice Weidel geht wegen des Iran-Kriegs hart auf Distanz zur US-Regierung. Sie versucht, ihre Fraktion auf diesen Kurs zu eichen – und verhindert die Pressemitteilung eines Fachpolitikers. Doch bei Weitem nicht jeder hält das für klug.
Schärfer als Alice Weidel vom Vorgehen der Trump-Regierung gegen den Iran können sich Politiker kaum distanzieren. „Konzeptlos“ seien die USA vorgegangen, sagte sie am Dienstag vor Journalisten im Bundestag. Abwegig sei nun die Bitte um Hilfe an die Nato-Staaten. „Das hätte man sich mal vorher überlegen sollen“, so Weidel. Und: „Das ist alles eine Katastrophe!“
Die AfD-Chefin – inhaltlich liegt sie bei dem Thema auf einer Linie mit CDU-Kanzler Merz, der ebenfalls die Planlosigkeit der USA im Iran kritisiert. Doch im Ton teilt Weidel plötzlich noch wesentlich härter in Richtung Trump aus als Merz. Dabei ist der US-Präsident doch der große AfD-Verbündete, der ideologische Bruder, der Hoffnungsträger, der im Notfall aus den USA heraus ein AfD-Verbot in Deutschland verhindern soll. Einiges, fast alles, tat die AfD bisher, um den Republikanern in den USA zu gefallen.
Leichte kritische Töne waren von Weidel erstmals zu hören, als Trump Grönland drohte. Nun aber legt die AfD-Spitze die volle Wende hin. Allen voran und ausgerechnet AfD-Chefin Weidel, die ganz oben für den Kontakt zu den USA zuständig war. Und das scheint nicht bloß einer zeitweisen Laune der als launig geltenden AfD-Chefin zu entspringen. Die Chefs wollen die außenpolitische Kakophonie der sonst so vielstimmigen AfD offenbar beenden – und greifen in ihrer Fraktion durch.
Nach Recherchen von t-online haben Weidel und ihr Co-Chef Tino Chrupalla in dieser Woche eine Pressemitteilung eines ihrer Fachpolitiker verhindert. Das bestätigten t-online mehrere Quellen aus der AfD-Fraktion. Diese Pressemitteilung hätte eine andere Botschaft neben Weidels harter Haltung in die Welt gesetzt: ein Entgegenkommen in der Frage der US-Regierung nach Unterstützung aus Europa im Nahen Osten, speziell bei der Absicherung der Straße von Hormus, dem weltweit wichtigsten Seeweg für Exporte von Erdöl und Flüssigerdgas.
Doch die AfD-Spitze hat sich offenbar entschieden: Sie stellt die Segel auf zunehmende Abnabelung vom großen Bruder in den USA, noch weiter auf den Kurs hin zur AfD als Friedenspartei, der in den Ostverbänden so beliebt ist. Ohne Zwischentöne, zumindest derzeit. Der neue, harte Weidel-Kurs – er soll gelten, er soll jetzt die Außenwirkung bestimmen.












