Fall in Berlin

Charité-Arzt verrät: Ebola-Patient überlebte nur knapp

09.06.2026 – 19:57 UhrLesedauer: 2 Min.

Pflegepersonal (Archivbild): Auf der Isolierstation müssen Mitarbeiter Schutzanzüge tragen. (Quelle: Soeren Stache/dpa/dpa-bilder)

Ein US-Arzt wurde nach einer Ebola-Infektion in der Berliner Charité behandelt. Nun schildern die behandelnden Ärzte, wie kritisch sein Zustand zwischenzeitlich war.

Der Zustand des Ebola-Patienten, der in der Berliner Charité behandelt wurde, war zwischenzeitlich lebensbedrohlich. Auf einer Pressekonferenz hat Charité-Arzt Leif Erik Sander geschildert, dass vor allem die Stunden zwischen dem Abflug des US-amerikanischen Arztes aus Uganda und seiner Ankunft in Deutschland kritisch waren. Der Patient ist inzwischen genesen und wurde nach gut zwei Wochen Behandlung entlassen, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet.

Sander, Direktor der Klinik für Infektiologie und Intensivmedizin, erklärte: „Das sind Stunden, wo wir Sorge hatten, dass es sich so rasch verschlechtern könnte, dass er den Transport nicht mehr überlebt.“

Der Mann hatte sich im Kongo bei einer Patientin angesteckt, die er dort als Arzt behandelte. Auch seine Frau und seine vier Kinder wurden in die Charité gebracht. Sie zeigten keine Symptome, befanden sich aber in einem getrennten Bereich der Station in Quarantäne. Laut Sander war die Frau ebenfalls Ärztin und habe im Kongo dieselbe Patientin behandelt wie ihr Mann. Bei Kindern könne Ebola „sehr rasch“ zum Tode führen, weshalb die Familie täglich untersucht worden sei.

Über 100 Todesfälle im Kongo

Alle fünf Familienmitglieder erhielten das experimentelle Antikörper-Präparat MBP134, das noch nicht zugelassen ist und sich derzeit in der klinischen Erprobung befindet. Weltweit seien bis dahin erst sechs gesunde Menschen damit getestet worden, sagte Sander: „Das heißt die Datenlage ist sehr gering.“ Der Vater bekam zusätzlich das Medikament Remdesivir, das auch bei Covid-19-Erkrankungen eingesetzt wird.

Die Ärzte hätten den Eindruck gehabt, dass sich der Gesundheitszustand des Mannes mit dieser kombinierten Therapie rasch stabilisiert habe. Sander: „Allerdings unter der Einschränkung: Wir wissen nicht, was passiert wäre, wenn diese Medikamente nicht verabreicht worden wären, so ist das bei individuellen Heilversuchen.“ Eine sichere Aussage darüber, ob das Präparat tatsächlich helfe, sei daher nicht möglich.

Im Kongo gibt es inzwischen mehr als 100 bestätigte Todesfälle, hunderte Menschen sind infiziert. Auf die Frage, ob MBP134 auch dort eingesetzt werden könnte, sagte Sander, es wäre wichtig, solche Präparate Menschen in den betroffenen Gebieten zur Verfügung zu stellen, vor allem Helfenden. Die Voraussetzungen seien jedoch schwierig: „In den Ausbruchsgebieten fehlt es teilweise an allem.“ Die medizinische Ausstattung sei schlecht, und Teile der Region würden von Milizen kontrolliert. „Deswegen wäre meine Hoffnung, dass man das Medikament wirklich vor Ort bekommt, nicht so hoch“, so Sander.

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