Kooperation mit Ford
Dieser VW-Deal bringt das Bulli-Werk in Hannover in Bedrängnis
18.08.2026 – 18:30 UhrLesedauer: 3 Min.
Der neue VW-Transporter läuft nicht mehr in Hannover, sondern in der Türkei vom Band. Laut einem Medienbericht verschärft das die Probleme im Stammwerk.
Eine Entscheidung aus der Amtszeit des früheren Volkswagen-Chefs Herbert Diess belastet offenbar die Zukunft des Nutzfahrzeugwerks in Hannover. Die Kooperation mit Ford sollte die Entwicklung leichter Nutzfahrzeuge günstiger machen. Nach Informationen des „Handelsblatts“ fehlt dem Standort dadurch jedoch ein Modell, das für hohe Stückzahlen sorgt.
Konzernchef Oliver Blume räumte nach dpa-Angaben in einem internen Interview ein, dass Volkswagen Hannover für die 2030er-Jahre bisher keine wettbewerbsfähige Belegung zusichern könne. Dort arbeiten nach jüngsten Konzernangaben rund 11.000 Menschen.
Transporter kommt von Ford
Volkswagen und Ford besiegelten ihre Zusammenarbeit 2020. VW übernahm die Entwicklung des Caddy und der entsprechenden Ford-Modelle. Ford entwickelte im Gegenzug den Nachfolger des Transporters T6.1 auf Basis des Transit Custom. Die siebte Generation wird in einem Ford-Werk in der Türkei gebaut. Auch Plattform, Motoren und wichtige Teile der Antriebstechnik stammen von Ford.
Beide Hersteller konnten damit Entwicklungskosten teilen und größere Stückzahlen planen. Mit dem Ende des T6.1 im Jahr 2024 entfiel in Hannover allerdings die Transporterproduktion. Dort entstehen heute vor allem ID. Buzz, Multivan und California.
Hannover fehlen die Stückzahlen
2017 baute Volkswagen in Hannover nach damaligen Unternehmensangaben 200.826 Fahrzeuge. Im vergangenen Jahr waren es nach Informationen des „Handelsblatts“ nur noch rund 113.500 – gut 43 Prozent weniger.
Auch der ID. Buzz konnte den Wegfall bisher nicht ausgleichen. Volkswagen hatte 2022 eine mögliche Jahresproduktion von bis zu 130.000 Exemplaren genannt. Nach Angaben aus Unternehmenskreisen, auf die sich das „Handelsblatt“ beruft, wurden 2025 in Hannover mehr als 60.000 ID. Buzz gebaut.
In einer internen Vorstandspräsentation werde Hannover als besonders teurer Standort geführt, berichtet das „Handelsblatt“. Zwei mit den Zahlen vertraute Personen hätten von zeitweise fünfstelligen Fabrikkosten je Fahrzeug gesprochen. Der europäische Vergleichswert liege bei 3.000 Euro. VWN die Angaben im Gespräch mit der Zeitung nicht kommentieren.
Die öffentlichen Geschäftszahlen zeichnen ein gemischtes Bild. Im ersten Halbjahr 2026 stiegen die VWN-Auslieferungen um 7,1 Prozent. Der Umsatz sank jedoch von 8,7 auf 8,2 Milliarden Euro. Die operative Marge betrug rechnerisch rund 3,3 Prozent. Die Zahlen gelten für die gesamte Marke und lassen keinen direkten Rückschluss auf das Werk Hannover zu.
