Die WM-Berichterstattung im Fernsehen zeigt einen gefährlichen Trend. Flirts, flapsiges Verhalten und steile Thesen verwässern den Fokus auf das Wesentliche.
Fußball ist ein Milliardengeschäft, und Fernsehsender müssen entsprechende Summen hinblättern, um den Volkssport in die Wohnzimmer der Republik zu übertragen. Der Weltfußballverband Fifa als Rechteinhaber der Fußball-Weltmeisterschaft lässt sich seine TV-Pakete schließlich einiges kosten. So sollen ARD und ZDF rund 152 Millionen Euro bezahlt haben und das wohlgemerkt als sogenannte Sublizenznehmer: Von den 104 Spielen aus den USA, Mexiko und Kanada dürfen sie lediglich 60 zeigen.
Der Streamingdienst der Telekom, MagentaTV, ist hierzulande Rechte-Primus und hat alle Partien im Angebot. Wie hoch die Summe war, die Magenta an die Fifa überwies, darüber schweigen die Vertragspartner. Doch der Druck, das Geld wieder einzuspielen, scheint immens – und er führt zu Verrenkungen, die die Berichterstattung zwar schlagzeilenträchtiger machen, aber substanziell nicht besser. Der marktschreierische Auftritt von Magenta in der ersten Turnierwoche zeigt, wie sehr der Anbieter um Aufmerksamkeit buhlt. Und er sendet damit ein gefährliches Signal an die Konkurrenz.
Klopp und Müller drehen frei
Wie sehr Magenta übers Ziel hinausschoss oder, je nach Perspektive, dem eigenen Reichweitenziel hinterherjagte, zeigte die Diskussion um die beiden Experten Thomas Müller und Jürgen Klopp. Das Dampfplauder-Duo vom Dienst verstieg sich wenige Tage vor dem ersten WM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft dazu, den Bundestrainer öffentlich infrage zu stellen.
Im Video | Klopp entschuldigt sich bei Nagelsmann
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„Zum Glück stellt Julian Nagelsmann die Mannschaft auf“, orakelte Jürgen Klopp und schob dann zweimal ein „noch“ hinterher. Müller reagierte sofort und sagte: „Kloppooooo. Wir haben Juni. Du bist schon im September.“ Die beiden amüsierten sich köstlich über ihren Demissionsdialog, der implizierte, dass Nagelsmann im September trotz seines Vertrags bis nach der EM 2028 bald nicht mehr für die Nationalelf verantwortlich sein könnte. Dass ausgerechnet Jürgen Klopp seit Jahren als Kandidat für den Bundestrainer-Posten ins Gespräch gebracht wird, würzte die Angelegenheit mit einem besonders bitteren Geschmäckle.
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Aber vor dem Hintergrund der medialen Echokammer, die daraus erwuchs, war die Frechheit ein gigantischer Erfolg. Tagelang überschlugen sich die Schlagzeilen und im Mittelpunkt der Aufmerksamkeitsspirale: die beiden Neuen von Magenta.












