
Nährstoffmangel verhindern
Wie Sie die Wundheilung durch Ernährung beeinflussen können
27.11.2025 – 08:31 UhrLesedauer: 4 Min.
Nicht nur die Wundversorgung ist entscheidend für die Wundheilung. Auch die Ernährung spielt eine wichtige Rolle. Auf welche Nährstoffe es ankommt.
Ob bei einer Operationswunde, einer Alltagsverletzung oder einer chronischen Wunde: Wie schnell und gut eine Wunde verheilt, hängt nicht allein von der Wundpflege ab. Auch die Ernährung ist ein entscheidender Baustein. Damit die Wundheilung gut verläuft, braucht es unter anderem Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe.
Wundheilung ist ein komplexer Prozess, bei dem der Körper Keime bekämpft, Entzündungen reguliert, neue Zellen bildet und Gewebe repariert. Die Wundheilung durchläuft vier Phasen (stark vereinfacht dargestellt):
- 1. Exsudative Phase: Entzündungsprozesse werden angestoßen, ebenso Prozesse zur Blutstillung. Wundsekret wird gebildet. Das Immunsystem wird aktiv.
- 2. Resorptive Phase: Die Blutgefäße erweitern sich. Das Immunsystem bekämpft Keime und kümmert sich um abgestorbenes Gewebe. Wachstumsfaktoren werden aktiviert, darunter solche für die Gefäßneubildung.
- 3. Proliferative Phase: Es entstehen neue Blutgefäße und neues Bindegewebe.
- 4. Reparative Phase: Die Hautoberfläche regeneriert sich und die Wunde schließt sich.
Für den Wundheilungsprozess braucht der Körper Energie und Nährstoffe. Wer sich gesund und ausgewogen ernährt, unterstützt die verschiedenen Wundheilungsphasen. Besonders eine ausreichende Zufuhr von Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen ist für die Zellbildung und die Immunabwehr bedeutsam. Fehlen dem Körper wichtige Bausteine, heilt die Wunde langsamer. Auch das Risiko für Komplikationen, etwa eine Infektion, kann zunehmen.
Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) ist eine ausreichende Energie- und Nährstoffzufuhr für die Heilung entscheidend. Durch Wunden erhöhe sich die Stoffwechselbelastung, wodurch der Körper einen erhöhten Bedarf an Nährstoffen wie Vitaminen, Mineralstoffen, Eiweiß und Energie habe. Nur wenn die Wunde beziehungsweise der Körper mit den richtigen Nährstoffen versorgt sei, könne die Wundheilung optimal erfolgen.
Wer sich einseitig ernährt oder zu wenig isst, riskiert, dass dem Körper Bausteine für die Wundheilung fehlen. Besonders bei älteren oder kranken Menschen ist das Risiko für einen Nährstoffmangel erhöht. Hinzu kommt, dass Wunden bei älteren Menschen generell langsamer heilen als bei jüngeren.
Chronische Erkrankungen, wie Magen-Darm-Erkrankungen, Gefäßkrankheiten oder Diabetes mellitus, können die Aufnahme wichtiger Nährstoffe ebenfalls erschweren und die Regeneration von Wunden verlangsamen. Ein hoher Blutzucker bei Diabetes beispielsweise führt zu einer schlechteren Durchblutung. Das erschwert die Versorgung der Wunde mit Nährstoffen, Sauerstoff und Blut – was für die Wundheilung wichtig ist.
Wer die Heilung gezielt unterstützen möchte, sollte auf eine eiweißreiche Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse achten. Dann ist der Körper in der Regel gut mit wichtigen Nährstoffen versorgt. Bedeutsam für die Wundheilung sind unter anderem:
- Eiweiß (Protein): Eiweiß ist der wichtigste Baustoff für neue Zellen und Gewebe. Für die Entstehung von neuem Bindegewebe und den Aufbau von Kollagen benötigt der Körper unter anderem Aminosäuren, darunter Methionin, Cystein und Arginin. Gute Eiweißquellen sind mageres Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchte, Eier, Milchprodukte, Nüsse und Sojaprodukte. Die empfohlene tägliche Zufuhr für Protein beträgt für Erwachsene ab 19 Jahren bis unter 65 Jahre 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht.
- Vitamin C: Vitamin C unterstützt den Aufbau von Bindegewebe (Kollagen), unterstützt das Immunsystem und wirkt antioxidativ. Fehlt dem Körper Vitamin C, wirkt sich das unter anderem ungünstig auf die Wundheilung aus und auch das Risiko für Infektionen steigt. Außerdem verbessert Vitamin C die Eisenaufnahme. Vitamin C ist reichlich enthalten in Zitrusfrüchten, Beeren, Paprika, Brokkoli und Petersilie.
- Eisen: Das Spurenelement ist wichtig für die Sauerstoffversorgung und den Aufbau von Bindegewebe. Eisen findet sich beispielsweise in Fleisch, Hülsenfrüchten und grünem Gemüse.
- Zink: Zink spielt eine zentrale Rolle für das Zellwachstum, die Wundheilung und die Immunfunktion. Ein Mangel kann Wundheilungsstörungen zur Folge haben. Gute Zinkquellen sind Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Rindfleisch, Nüsse und Käse.
- Selen: Das Spurenelement ist für die körpereigene Abwehr und die Regeneration des Gewebes von Bedeutung. Selen kann dazu beitragen, dass sich Wunden schneller beruhigen und weniger Narbengewebe entsteht. Zudem unterstützt Selen die Funktion des Immunsystems. Gute Selenquellen sind Paranüsse, Fisch und Meeresfrüchte, Eier, Linsen, Kohl und Vollkornprodukte.
- Vitamin A: Das fettlösliche Vitamin ist wichtig für die Entwicklung und Aufrechterhaltung der Funktion der meisten Gewebe wie Haut und Schleimhäute. Es fördert die Regeneration der Haut- und Schleimhautzellen. Es kommt vor allem in Leber, Milchprodukten, Eiern und Karotten (als Beta-Carotin) vor.
- Omega-3-Fettsäuren: Sie wirken entzündungshemmend und verbessern die Durchblutung. Zu finden sind Omega-3-Fettsäuren in fettreichem Seefisch wie Lachs oder Makrele sowie in Lein-, Raps- und Walnussöl.
In bestimmten Fällen – etwa nach Operationen oder bei chronischen Wunden – kann unter Umständen eine gezielte Supplementierung bestimmter Nährstoffe sinnvoll sein. Dies sollte jedoch immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt oder der Ärztin erfolgen. Bei kleineren Alltagsverletzungen unterstützt in der Regel eine gesunde Ernährung die Hautregeneration ausreichend.
Neben einer Mangelernährung gibt es weitere Einflussgrößen, welche die Heilung stören können. Nikotin beispielsweise verengt die Blutgefäße, fördert Entzündungsprozesse und verschlechtert die Sauerstoffversorgung des Gewebes. Wunden bei Rauchern heilen deutlich langsamer.
Laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) haben Raucher in Abhängigkeit von der Höhe ihres Zigarettenkonsums ein rund dreimal so hohes Risiko für eine verzögerte Wundheilung wie Nichtraucher. Bei ihnen würden nach Operationen Infektionen sowie ein erneutes Öffnen der Wunde (Wundruptur) häufiger auftreten, so die Krebsexperten. Auch das Risiko für eine Wundnekrose (Absterben von Gewebe) sei erhöht, ebenso das Thromboserisiko.
Auch Alkoholkonsum beeinträchtigt die Zellregeneration, hemmt die Immunabwehr und befeuert Entzündungsprozesse im Körper. Zuckerreiche und stark verarbeitete Lebensmittel können sich ebenfalls ungünstig auf die Wundheilung auswirken. Ebenso kann eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme (Dehydrierung) die Wundheilung behindern, weil in Folge die Durchblutung und damit die Nährstoffversorgung der Haut schlechter funktioniert.
Ebenso sollten bei Wundheilungsstörungen immer mögliche Grunderkrankungen behandelt werden, welche die Wundheilung beeinflussen können. Auch ist es wichtig, auf eine sorgsame Wundhygiene und -pflege zu achten. Druck, Reibung und Stöße im Wundbereich sollten vermieden werden.











