Festakt in Düsseldorf

65 Jahre Anwerbeabkommen: Wüst dankt Gastarbeitern

18.09.2026 – 18:28 UhrLesedauer: 2 Min.

Vor 65 Jahren ist Sabri Aydin aus der Türkei nach Düsseldorf gekommen. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst hat die Leistungen der Gastarbeiter gewürdigt. (Quelle: Henning Kaiser/dpa)

Vor 65 Jahren kamen die ersten Arbeitskräfte aus der Türkei nach NRW. Beim Festakt am Düsseldorfer Flughafen mahnt der Ministerpräsident auch zur Wachsamkeit.

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst hat bei einem Festakt am Düsseldorfer Flughafen den Beitrag der Gastarbeiter für das Land gewürdigt. Anlass war der 65. Jahrestag des Anwerbeabkommens zwischen Deutschland und der Türkei, das am 30. Oktober 1961 geschlossen worden war. Wüst rief dabei Politik, Medien und Zivilgesellschaft dazu auf, sich gegen Vorurteile und Ausgrenzung einzusetzen.

Der CDU-Politiker betonte, der Wohlstand des Landes sei auch dem Mut und dem Arbeitseifer jener Menschen zu verdanken, die ihre Heimat verlassen hatten, um nach Deutschland zu kommen. Sein Dank galt nicht nur den Gastarbeitern aus der Türkei, sondern auch denen aus Italien, Spanien, Griechenland, Marokko, Tunesien, Portugal und dem ehemaligen Jugoslawien. „Sie haben mit ihrer Arbeit in der Stahlproduktion, unter Tage, in Fabriken, im Handwerk und in der Textil- und Elektroindustrie die Grundlage für unseren heutigen Wohlstand wesentlich mitgeschaffen“, sagte Wüst.

Das Abkommen war ursprünglich als befristete Lösung gedacht: Für zunächst zwei Jahre sollten Arbeitskräfte für die stark wachsende westdeutsche Wirtschaft gewonnen werden. Bereits 1964 wurde die Befristung aufgegeben und ein dauerhafter Aufenthalt sowie ein erleichterter Familiennachzug ermöglicht. In den folgenden zwölf Jahren reisten laut der Düsseldorfer Staatskanzlei rund 867.000 Frauen und Männer aus der Türkei nach Westdeutschland ein. Sie arbeiteten vor allem im Ruhrgebiet: in den Zechen, an Förderbändern und in Fabrikhallen.

Gastarbeiter in Deutschland: Aus einer Lösung auf Zeit wird Heimat

Wüst würdigte die Pioniere jener Zeit mit den Worten: „Trotz aller Widrigkeiten und oft ohne Anerkennung für ihre Leistung, haben sich viele von ihnen entschieden, zu bleiben.“ Die Kinder und Enkelkinder der damaligen Gastarbeiter seien heute Lehrerinnen, Polizisten, Unternehmer und Vereinsvorsitzende. Ihr Beitrag sei Teil der Geschichte Nordrhein-Westfalens. „Sie haben unser Land vielfältiger, offener und stärker gemacht“, so der Ministerpräsident. Zur Wahrheit gehöre aber auch das Gefühl, nicht richtig dazuzugehören. „Umso mehr ist es die Aufgabe für Politik, Medien und die Zivilgesellschaft, sich für Offenheit und Toleranz und gegen Vorurteile und Ausgrenzung einzusetzen.“

NRW ist laut Regierungsangaben Heimat für rund eine Million Menschen mit Wurzeln in der Türkei. Knapp 500.000 von ihnen besitzen die türkische Staatsangehörigkeit. Die größten Gemeinschaften leben in Köln, Duisburg, Dortmund, Gelsenkirchen und Düsseldorf. Zwischen 25.000 und 30.000 kleine sowie mittlere Betriebe werden von Menschen mit türkischen Wurzeln geführt. Rund 35 Städtepartnerschaften verbinden NRW mit der Türkei.

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