Der Krieg in Nahost hinterlässt Spuren an den Börsen. Die Angst: ein langer Krieg, Unsicherheit und dass Öl und Gas knapp und teuer werden. Investoren suchen nach Sicherheit, aber nicht alle bisher sicheren Häfen taugen noch.
Krieg im Iran. Was sich lange andeutete, wurde gewiss. Die Ölpreise waren die ersten Seismografen dessen, was da auf die Welt zukommt. Sie schossen in die Höhe, kaum dass die ersten Raketen abgefeuert waren. An den Kapitalmärkten steht Sicherheit wieder hoch im Kurs. Nur welche Sicherheit? Und zu welchen Konditionen?
Der japanische Yen, der US-Dollar, US-Staatsanleihen, der Schweizer Franken und Gold sind die Top-Sicherheiten, wenn Krisen ausbrechen. So war es in der Vergangenheit. Doch diesmal kam es anders. Einige von ihnen sind ausgefallen.
Eine Überraschung ist der japanische Yen. Denn in diesem Konflikt tritt einmal mehr offen zutage, dass Asien – auch Japan – von ausländischer Energie abhängt. Und zwar überbordend: Japan importiert nahezu seinen kompletten Rohölbedarf und ist zweitgrößter Importeur von LNG (Flüssiggas) der Welt nach China. Das kommt womöglich nicht mehr, zwischen 70 und 80 Prozent des nach Japan exportierten Öls und LNG kommen über die Straße von Hormus. Die Folge: Weiter steigende Energiepreise erhöhen das Handelsdefizit Japans, belasten die Wirtschaft und schwächen den Yen. Der hiermit als sicherer Hafen ausgefallen ist.
Man spricht dann auch von einem doubtful safe haven, einem zweifelhaften sicheren Hafen. Denn aktuell sind die Sorgen groß, dass Japan sich eine hohe Inflation importiert und wirtschaftlich noch größere Schwierigkeiten bekommt, als das Land ohnehin schon hat. Schon jetzt leidet das Land unter einer enormen Staatsverschuldung, kaum Wirtschaftswachstum und einer vergleichsweise hohen Inflation von 3,2 Prozent im Jahr 2025, weshalb die Hoffnung auf den Yen als Fluchtwährung derzeit in den Hintergrund tritt.
Schauen wir auf Möglichkeit Nummer zwei: Der US-Dollar holt seinen Status als Krisenwährung dagegen – nach langer Durststrecke – wieder zurück. Er kostet so viel wie seit drei Monaten nicht mehr. Allerdings ist damit nicht unbedingt das Vertrauen in die US-Währung zurückgekehrt. Denn die Zollprobleme, die Schuldenberge, die drohenden Zollrückzahlungen und die Sorge, wie sich die US-Politik fortsetzt, sind ja nicht vom Tisch.
Vielmehr geht es hier um Öl und Gas: Denn die USA sind wichtiger Exporteur von Öl und Gas und profitieren daher von steigenden Energiepreisen. Zugleich werden diese Rohstoffe auf den Weltmärkten in US-Dollar gehandelt. Die Nachfrage nach diesen Rohstoffen beflügelt die US-Währung. Aber Achtung: Für die aktuelle Dollarstärke – oder sagen wir lieber geopolitisch getriebene Erholung des US-Dollars – ist entscheidend, wie lange der Krieg dauert. Ein schnelles Ende des Krieges kann das Ende der Aufwärtsbewegung des Dollars bedeuten.











