Guillotine, Gaudi und Geschichte
Dieses Kulttheater ist jetzt offiziell unersetzlich
25.03.2026 – 05:45 UhrLesedauer: 2 Min.
Mehr als 300 Mal Guillotine pro Wiesn – und das seit 1869. Jetzt hat das „Schichtl“ eine besondere Auszeichnung bekommen.
Seit mehr als 150 Jahren wird auf dem Oktoberfest in München geköpft – jetzt hat das Traditionstheater „Auf geht’s beim Schichtl“ eine besondere Auszeichnung erhalten. Das Bayerische Heimatministerium hat das Varieté auf Empfehlung eines unabhängigen Expertengremiums in das Bayerische Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.
Schichtl-Inhaber Manfred Schauer zeigte sich überwältigt: „Unfassbar. Ich hab‘ einen Puls von 295“, kommentierte er die Nachricht. Schauer hatte das Zauber-Theater 1985 übernommen und im vergangenen Jahr die Bewerbung zur Aufnahme eingereicht. Sein Motto: „Man muss was wollen, um was zu erreichen.“
Das Theater ist seit 1869 eine feste Institution auf dem Münchner Oktoberfest und nach seinem Begründer Michael August Schichtl benannt. Das Herzstück des Spektakels: Vor Publikum wird per illusionistischer Bühnenmechanik die simulierte „Enthauptung einer lebenden Person auf offener, hell erleuchteter Bühne mittels Guillotine“ zelebriert.
An jedem Wiesntag finden rund 20 Vorstellungen statt – etwa alle halbe Stunde wird geköpft, über die mindestens 16 Festtage summiert sich das auf mehr als 300 Enthauptungen. Vor jeder Vorstellung wirbt Schauer gemeinsam mit seinen Darstellern vor dem Theaterzelt für das Spektakel – der Ruf „Auf geht’s beim Schichtl“ ist vielen bekannt, seine Herkunft weit weniger.
Das Schichtl-Theater ist nicht der einzige Neuzugang im Bayerischen Landesverzeichnis. Zu den insgesamt 19 Neuaufnahmen zählen auch der Hopfenanbau in Deutschland, die Alm- und Alpwirtschaft, die Erlanger Bergkirchweih, die Tirschenreuther Krippentradition, die Lohrer Karfreitagsprozession sowie die Ansbacher Rokoko-Festspiele. Das Verzeichnis wächst damit auf 103 Einträge.
„Das immaterielle kulturelle Erbe Bayerns symbolisiert Heimat und vermittelt ein Gefühl von Identität, Zugehörigkeit und Gemeinschaft“, sagte Finanz- und Heimatminister Albert Füracker (CSU). Das bayerische Landesverzeichnis verdeutliche „einmal mehr, wie groß die lebendige Vielfalt unserer kulturellen Ausdrucksformen ist“.
Hintergrund: Seit 2003 stellt die UNESCO immaterielle kulturelle Ausdrucksformen in den Fokus der Öffentlichkeit. Inzwischen sind 185 Staaten dem entsprechenden Übereinkommen beigetreten, Deutschland seit 2013. Neben dem bundesweiten Verzeichnis führt Bayern ein eigenes Landesverzeichnis. Die nächste Bewerbungsrunde für eine Aufnahme in beide Verzeichnisse startet erst 2028.












