Schutz vor Allergien
Wie Stallbakterien das Immunsystem beeinflussen
01.08.2026 – 07:28 UhrLesedauer: 3 Min.
Kinder, die auf Bauernhöfen aufwachsen, erkranken seltener an Asthma und Allergien. Forscher haben nun einen entscheidenden Schutzfaktor identifiziert.
Dass Bauernhofkinder seltener an Asthma, Heuschnupfen und anderen Allergien erkranken, ist seit Jahren bekannt. Wissenschaftler sprechen vom sogenannten Bauernhof-Effekt. Schon lange wird vermutet, dass der Kontakt mit einer besonders vielfältigen Mikrobenwelt das Immunsystem günstig prägt. Eine neue Forschungsarbeit zeigt jetzt, welche Mikroorganismen dafür verantwortlich sein könnten – und wie der Schutz funktioniert. Nachzulesen sind die Ergebnisse im Fachmagazin „NEJM Evidence“.
Diese Bakterien könnten entscheidend sein
Für die Studie untersuchte ein internationales Forschungsteam Daten von mehr als 1.000 Kindern aus ländlichen Regionen.
Die Wissenschaftler analysierten unter anderem Bakterien im Matratzenstaub der Kinder. Hinzu kamen Nasenabstriche sowie Staubproben aus Kuhställen. Durch Genanalysen bestimmten sie, welche Bakterien und Pilze in den Proben vorkamen. Außerdem untersuchten sie Stoffwechselprodukte der Mikroorganismen. Mithilfe statistischer Modelle prüften sie, welche Bakterien besonders stark mit einem niedrigeren Asthmarisiko zusammenhingen.
Dabei identifizierte das Team neun Gruppen grampositiver Bakterien, die offenbar eine zentrale Rolle spielen. Zu den genauer benannten Arten gehören etwa Romboutsia timonensis und Glutamicibacter arilaitensis.
Den Berechnungen zufolge könnten diese Bakterien für rund zwei Drittel des schützenden Bauernhof-Effekts bei Asthma verantwortlich sein. Auch bei Heuschnupfen und Neurodermitis zeigte sich ein Zusammenhang.
Wie die Stallluft wirken könnte
Einige der identifizierten Mikroorganismen stammen aus dem Verdauungstrakt von Kühen und gelangen von dort in die Stallumgebung. Besonders wichtig sind dabei offenbar nicht nur die Bakterien selbst, sondern auch ihre Stoffwechselprodukte. Dazu zählen unter anderem Kynurenin und Xanthin sowie ungesättigte Fettsäuren wie Alpha-Linolensäure und Stearidonsäure. Diese Substanzen konnten die Forscher auch im Kuhstallstaub nachweisen.
Mit dem Staub können solche Stoffe eingeatmet werden. In den menschlichen Atemwegen treffen sie auf bestimmte Rezeptoren, die an zahlreichen Vorgängen im Körper beteiligt sind und unter anderem Immun- und Entzündungsreaktionen beeinflussen können.
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Die Forscher vermuten, dass die bakteriellen Stoffwechselprodukte Signalwege aktivieren, die dazu beitragen, überschießende Entzündungsreaktionen zu bremsen. Genau solche Reaktionen spielen bei Asthma und Allergien eine zentrale Rolle.
Dazu passt, dass genetische Varianten dieser Rezeptoren beeinflussten, wie stark der Zusammenhang zwischen den Bakterien und Asthma ausfiel. Die wesentlichen Ergebnisse konnten außerdem in unabhängigen Untersuchungsgruppen aus Frankreich und Finnland bestätigt werden.
Warum zu viel Sauberkeit nicht das eigentliche Problem ist
Die Ergebnisse passen zu einer seit Jahrzehnten diskutierten Erklärung für die Zunahme allergischer Erkrankungen. Nach der sogenannten Hygienehypothese braucht das Immunsystem in der frühen Kindheit Kontakt zu Mikroorganismen, damit es sich angemessen entwickelt. Fehlen solche Reize, könnte es später eher auf eigentlich harmlose Stoffe wie Pflanzenpollen überreagieren.












