Kampf gegen HPV
Wie die Krebsgefahr bei Jugendlichen ausgeschaltet werden soll
Aktualisiert am 16.06.2026 – 06:57 UhrLesedauer: 5 Min.

In Deutschland gibt es zu viele tödliche Krebsfälle, sagen Experten. Auf dem Vision Zero Summit kämpfen sie dafür, dass die vermeidbare Krebsrate auf null sinkt. Wie das gelingen soll.
Jedes Jahr sterben in Deutschland rund 230.000 Menschen an Krebs, darunter auch Kinder und Jugendliche. Bei Kindern zwischen fünf und 14 Jahren ist Krebs mit einem Anteil von 23,9 Prozent an den Todesfällen sogar die häufigste Todesursache. Eine noch viel zu oft unterschätzte Gruppe bilden Zehntausende Jugendliche, die sich hierzulande jährlich mit sexuell übertragbaren Infektionen anstecken – in vielen Fällen mit weitreichenden Folgen für ihre Gesundheit.
Etwa 30 bis 40 Prozent aller jungen Menschen von 15 bis 25 Jahren ziehen sich eine Infektion mit Humanen Papillomviren (HPV) zu. Die Viren werden von Mensch zu Mensch über Haut und Schleimhäute übertragen, meist bei sexuellen Kontakten. Das Gefährliche daran: Die Infektion bei Jugendlichen verläuft meist unbemerkt. Doch die HP-Viren können Krebs auslösen, wenn auch nicht im Teenageralter.
Es kann Jahrzehnte dauern, bis aus einer chronischen Infektion Tumore entstehen. Dies ist oft weder den Teenagern noch vielen Erwachsenen in Deutschland bewusst, denn sie kennen keine Präventions- und Behandlungsmöglichkeiten. Von den jährlich rund 10.000 HPV-bedingten Krebs-Neuerkrankungen in Deutschland betreffen zwei Drittel Frauen, die überwiegend an Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) erkranken. Bei den Männern treten HPV-bedingte Tumoren vor allem im Mund-, Rachen-, Genital oder Analbereich auf. Das Zervixkarzinom stellt die dritthäufigste Krebstodesursache bei jungen Frauen zwischen 15 und 44 Jahren dar.
Deutschlands Jugend wenig aufgeklärt
In Ländern wie Australien, Großbritannien oder Schweden ist die Lage völlig anders. Hier wird seit Jahren flächendeckend gegen HPV geimpft, die Folge ist ein deutlicher Rückgang der gefährlichen Folgen einer HPV-Infektion, also von Vorstufen von Krebserkrankungen. Australien gilt sogar als globales Vorbild, dort gab es 2021 keinen einzigen dokumentierten Zervixkarzinom-Fall bei Frauen unter 25 Jahren. Davon ist Deutschland weit entfernt.
Bei uns sind die Schutzmöglichkeiten vor HP-Viren oftmals unbekannt, auch weil das Thema Sexualität von Eltern mit Kindern immer noch mit Scham besprochen wird. Eine HPV-Impfung wird so laut Experten zu selten genutzt. Das Robert Koch-Institut informiert, dass die meisten Jugendlichen vor ihrem ersten Sexualkontakt ungeschützt vor den vermeidbaren Krebsarten bleiben. Häufig steht dahinter aber keine grundsätzliche Ablehnung oder keine bewusste Entscheidung gegen Prävention, sondern Unsicherheit, fehlendes Wissen oder unbegründete Ängste.
Hohe Schutzwirkung der HPV-Impfung
Die Ständige Impfkommission empfiehlt inzwischen allen Mädchen und Jungen im Alter zwischen 9 und 14 Jahren eine HPV-Impfung, das WHO-Ziel ist eine HPV-Durchimpfungsrate von 90 Prozent. Eine Mammutaufgabe. Die Impfquote in Deutschland lag im Jahr 2021 bei 54 Prozent der 15-jährigen Mädchen und bei nur 26 Prozent der gleichaltrigen Jungen. Wird vor dem ersten Sexualkontakt geimpft, so hat die Impfung laut aktueller Studien eine Schutzwirkung gegen Gebärmutterhalskrebs von 88 Prozent und gegen Krebsvorstufen im Analbereich von 76 Prozent.
Vision Zero: Kampfansage gegen Krebs
Um das Bewusstsein für HPV und der davor schützenden Impfung zu erhöhen, hat sich in Deutschland ein Bündnis gebildet, das sich für mehr Präventionsarbeit gegen den Krebs einsetzt. Vison Zero Oncology ist eine Initiative aus Wissenschaft, Medizin, Medien und Patientenverbänden, um vermeidbare Todesfälle durch Krebserkrankungen zu verhindern. „Wir setzen uns nachdrücklich dafür ein, die Zahl der vermeidbaren krebsbedingten Todesfälle gegen null zu bringen“, sagt Dr. Georg Ralle, einer der Initiatoren und Generalsekretär von Vision Zero. In Deutschland fehle noch eine Präventionsstrategie.











