Premierminister äußert sich
Aufregung um Skandalrapper Kanye West in London
Aktualisiert am 06.04.2026 – 04:40 UhrLesedauer: 2 Min.
Skandalrapper Kanye West soll bei einem großen Festival in London auf der Bühne stehen. Die Planung sorgt für scharfe Kritik – auch der Premierminister äußert sich.
Der geplante Auftritt von US-Rapper Kanye West bei dem Musikfestival Wireless in London hat in Großbritannien eine Kontroverse ausgelöst. Premierminister Keir Starmer bezeichnete die Planung für das Wireless Festival im Finsbury Park als „zutiefst besorgniserregend“, wie zuerst die Zeitung „The Sun“ berichtete. Starmer erinnerte an Wests frühere antisemitische Äußerungen und dessen Verherrlichung des Nationalsozialismus.
„Antisemitismus in jeglicher Form ist abscheulich und muss überall, wo er auftritt, klar und entschieden bekämpft werden“, sagte Starmer. „Jeder trägt die Verantwortung, dafür zu sorgen, dass Großbritannien ein Ort ist, an dem sich jüdische Menschen sicher und geschützt fühlen.“
Auch die Getränkehersteller Pepsi und Diageo gaben am Sonntag ihren Rückzug als Sponsoren des Festivals bekannt. Aktivisten gegen Antisemitismus forderten die britische Regierung auf, dem Rapper die Einreise in das Land zu verweigern.
Ein Sprecher von Pepsi, dem Hauptsponsor des Festivals, sagte der Nachrichtenagentur AFP, das Unternehmen „habe entschieden, sein Sponsoring des Wireless Festival zurückzuziehen“, ohne einen Grund zu nennen. Ein Sprecher von Diageo, dessen Produkte Johnnie Walker und Captain Morgan als Partnermarken für das Festival vorgesehen waren, sagte AFP: „Wir haben die Veranstalter über unsere Bedenken informiert, und Stand jetzt wird Diageo das Wireless Festival 2026 nicht sponsern.“
Der Veranstalter des Festivals, Live Nation, reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage von AFP. Die Organisatoren hatten Wests Auftritt im vergangenen Monat in den sozialen Medien bekannt gegeben, was Kritik jüdischer Organisationen und des Londoner Bürgermeisters Sadiq Khan auslöste.
Die britische Wohltätigkeitsorganisation Campaign Against Antisemitism forderte den britischen Premierminister Keir Starmer auf, West die Einreise ins Land zu verweigern. „Das ist doch sicherlich ein klarer Fall“, erklärte die Organisation im Onlinedienst X und schlug vor, West als Nichtstaatsbürger abzuweisen, dessen Anwesenheit nicht „dem öffentlichen Wohl dienlich“ sei.
Gegen Wests Europa-Tournee hatte sich im März bereits in Frankreich Widerstand geregt. Der Bürgermeister von Marseille, Benoït Payan, erklärte im Onlinedienst X, der Rapper sei für ein dort im Juni geplantes Konzert „nicht willkommen“. Marseille wolle „Verbreitern von Hass und unverhohlenem Nazitum keine Bühne bieten“.
Der 48 Jahre alte West, der mittlerweile unter dem Namen Ye firmiert und am Mittwoch in Los Angeles auftrat, war wiederholt mit rassistischen und antisemitischen Kommentare aufgefallen. Im vergangenen Jahr veröffentlichte er ein Lied mit dem Titel „Heil Hitler“. Anfang 2026 hatte er im „Wall Street Journal“ um Entschuldigung gebeten. „Ich bin weder ein Nazi noch ein Antisemit“, schrieb er und führte seine früheren Äußerungen auf eine bipolare Störung zurück.
Das Wireless Festival findet vom 10. bis zum 12. Juli in der britischen Hauptstadt statt. Laut „The Sun“ werden insgesamt 150.000 Besucherinnen und Besucher erwartet. Am Sonntagvormittag wurde Ye weiterhin als Headliner aufgeführt.











