„Schwachsinn“

Kachelmann kritisiert die Polizei


Aktualisiert am 19.06.2026 – 10:25 UhrLesedauer: 3 Min.

Jörg Kachelmann (Archivbild): Er äußert sich zu einem seiner Lieblingsthemen. (Quelle: IMAGO/STAR-MEDIA/imago)

In der Schweiz veröffentlicht die Polizei eine Meldung, Medien greifen diese auf – und Wetter-Experte Jörg Kachelmann hat eine eindeutige Meinung dazu.

Mit einem einzigen Wort hat Jörg Kachelmann eine Meldung der Polizei im Schweizer Kanton Aargau kommentiert: „Schwachsinn“ schrieb er auf X zu einem Beitrag der „Basler Zeitung“, in der die Mitteilung der Beamten wiedergegeben wurde.

Das Thema der Polizeimeldung war ein kleiner Waldbrand. Ein Wanderer hatte das Feuer am Mittwochvormittag entdeckt und gemeldet. Ein Helikopter ortete die Flammen, die Feuerwehr löschte sie. „Die Polizei geht derzeit nicht von Brandstiftung aus“, meldeten die Beamten am Donnerstag zunächst. „Ersten Erkenntnissen zufolge könnte ein Glassplitter in Zusammenhang mit der starken Sonneneinstrahlung den Brand ausgelöst haben.“

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Diese Passage ärgerte Kachelmann. Die Entstehung von Waldbränden gehört seit Jahren zu den Themen, zu denen der Wetter-Experte eine starke Meinung hat. Dass Glasscherben Feuer verursachen können, bezeichnete er bereits als „eine lustige Räubergeschichte aus dem Frühmittelalter, mit der die Polizei Ermittlungsaufwand sparen möchte“. Er nannte es „das ewige Kartoffelproblem“: „So viel fühlen. Nichts wissen.“ Bei einer anderen Gelegenheit schrieb er: „Wer kennt sie nicht, die Abenteuer-Menschen, die immer zur Sicherheit eine Glasscherbe im Rucksack haben, falls die Streichhölzer nass werden.“

Experiment gibt Kachelmann recht

Viele Untersuchungen zu der Frage, ob Glasscherben Brände verursachen können, gibt es nicht. Ein 2006 durchgeführtes wissenschaftliches Experiment auf einem Versuchsgelände des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ergab allerdings, dass „Waldbrände, hervorgerufen durch den Brennglaseffekt, unter den hiesigen Klimabedingungen als sehr unwahrscheinlich anzusehen“ seien.

Dabei herrschten durch den Versuchsaufbau optimale Bedingungen: Verschiedene Glasscherben waren auf Stativen so angebracht worden, dass sie die Mittagssonne bestmöglich einfingen. Darunter lagen unter anderem trockene Fichtennadeln. In keinem von insgesamt 120 Versuchen zündete das Material. Allerdings verfärbte es sich in mehreren Fällen schwarz, sodass die Forscher von „ersten Anzeichen einer thermischen Zersetzung“ sprachen. Noch am stärksten erhitzte der Boden einer Ketchupflasche den Untergrund, es wurden mehrfach Temperaturen von mehr als 300 Grad Celsius erreicht.

Der Versuchsaufbau: Trotz optimaler Bedingungen entfachte keine Scherbe ein Feuer. (Quelle: Experiment von Tanja Müller, Klaus-Peter Wittich, Peter Lex und Wolfgang Durner)

Noch heißer wurde es unter einer mit Wasser gefüllten Vase, aber auch bei den in diesem Versuch gemessenen mehr als 500 Grad bildeten sich keine Flammen. Nur Lupen vermochten das: Sie erzeugten auf den Fichtennadeln Oberflächentemperaturen von 800 bis 1.000 Grad. „Dabei kam es zum Teil zur Flammenbildung, die allerdings nur wenige Sekunden anhielt“, berichtete das Forscherteam. „Nach Entfernung der Lupen brannte die Streu jedoch nicht weiter.“

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