Tausende Münchner passieren es täglich – doch kaum jemand kennt seine wahre Geschichte: Das Siegestor hat eine bewegte Vergangenheit.
„Dem Sieg geweiht, vom Krieg zerstört, zum Frieden mahnend“: Diese wortgewaltige Inschrift ziert das Siegestor, das im Herzen der Münchner Maxvorstadt mitten auf der Ludwigsstraße thront. Das eindrucksvolle Bauwerk trennt die Maxvorstadt von Schwabing und ist eines der Wahrzeichen der Stadt.
Doch viele Münchner wissen gar nicht, welch lange und bewegte Geschichte hinter dem Triumphbogen steckt – und wie sich seine Bedeutung im Laufe der Zeit verändert hat.
Errichtet wurde das Siegestor ab dem Jahr 1843 im Auftrag von König Ludwig I. von Bayern. Gedacht war es als Triumphbogen zu Ehren der bayerischen Armee, inspiriert vom Konstantinsbogen in Rom. Gleichzeitig sollte es mit der Feldherrnhalle korrespondieren, die den südlichen Abschluss der Münchner Prachtstraße bildet.
Der Architekt Friedrich von Gärtner entwarf das Bauwerk, das nach seinem Tod von seinem Schüler Eduard Mezger vollendet wurde. 1852 wurde das Siegestor fertiggestellt – zunächst als reines Denkmal für die glorreichen Zeiten der Wittelsbacher und ihrer Truppen.
Der imposante Bau ist 21 Meter hoch, rund 24 Meter breit und besteht aus massivem Kalkstein. An den Wänden sind mehrere Reliefs zu bewundern, wobei an den unteren Reihen Kriegsszenen wie Kämpfe zwischen Reitern und Soldaten zu sehen sind. Gekrönt wird das Tor von einer Bronzeskulptur: einer Quadriga mit der bayerischen Patronin Bavaria und vier Löwen. Ihr Blick richtet sich nach Norden. Geschaffen hat die Figurengruppe der Bildhauer Johann Martin von Wagner.
Am 16. Juli 1871 zogen die bayerischen Truppen durch das Tor. Sie kehrten nach ihrem Sieg im Deutsch-Französischen Krieg zurück, das Siegestor war zu diesem Anlass feierlich geschmückt und wurde so seiner damaligen Bedeutung gerecht.
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Siegestor bei Luftangriffen auf München schwer beschädigt. Die Quadriga stürzte herab, Teile des Bogens wurden zerstört. Lange Zeit war unklar, ob das Bauwerk überhaupt wieder aufgebaut werden sollte. Doch München entschied sich für die Restaurierung – ab 1958 begann der Wiederaufbau des Siegestors unter der Leitung des Architekten Josef Wiedemann.
Das restaurierte Siegestor sollte eine neue Bedeutung bekommen und künftig ein Zeichen für den Frieden setzen. So trägt das Siegestor seit den 1950er-Jahren eine neue Inschrift auf der Nordseite: „Dem Sieg geweiht – vom Krieg zerstört – zum Frieden mahnend“. Dieser Satz soll einen bewussten Bruch mit der kriegerischen Vergangenheit Deutschlands symbolisieren. Die wiederhergestellte Quadriga wurde im Jahr 1972 angebracht. Sie hat ein Gewicht von ungefähr 20 Tonnen.
Heute ist das Siegestor mehr als nur ein historisches Bauwerk. Es ist Treffpunkt, Fotomotiv und Ort des Gedenkens zugleich. Ob bei Stadtführungen, politischen Kundgebungen oder spontanen Treffen – das Tor spielt im öffentlichen Leben Münchens eine zentrale Rolle.
Für den Autoverkehr ist das Siegestor allerdings ein Engpass. Täglich passieren Tausende Fahrzeuge das Bauwerk, das mitten auf einer der wichtigsten Nord-Süd-Achsen der Stadt steht. Immer wieder gibt es daher Diskussionen über eine Verkehrsberuhigung rund um das Tor. Auch Umweltschutzgruppen fordern mehr Schutz für das historische Denkmal und eine stärkere Einbindung in den öffentlichen Raum.
Das Besondere am Siegestor ist laut Historikern seine doppelte Symbolik: So steht es für Ruhm und Krieg, aber auch für die Warnung vor Zerstörung und die Mahnung zum Frieden. Kaum ein anderes Denkmal in München vereint so viele Facetten der Stadtgeschichte – vom Königreich Bayern bis zur Bundesrepublik.