
Tränenersatzmittel
Welche Augentropfen helfen gegen trockene Augen?
Aktualisiert am 23.11.2025 – 08:00 UhrLesedauer: 3 Min.
Tränen, Brennen, Jucken: Trockene Augen sind quälend. Augentropfen versprechen Linderung. Welche Wirkstoffe wirklich helfen.
Trockene Augen gehören zu den häufigsten Beschwerden, mit denen Menschen eine augenärztliche Praxis aufsuchen. Angaben des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands e. V. zufolge hat ein Fünftel aller Menschen, die einen Augenarzt aufsuchen, trockene Augen. Ständiges Tränen, Brennen, Jucken und Fremdkörpergefühl im Auge können die Lebensqualität erheblich einschränken. Tränenersatzmittel versprechen Abhilfe. Welche Wirkstoffe Linderung bringen.
Bei einem stabilen Tränenfilm sind die Lipidschicht, die wässrige Schicht und die Muzinschicht (Schleimschicht) im Gleichgewicht. Ein gesunder Tränenfilm stellt sicher, dass das Auge ausreichend befeuchtet ist, das Lid gut über das Auge gleiten kann, wichtige Nährstoffe und Sauerstoff aufgenommen werden und die Keimabwehr funktioniert.
Bei trockenen Augen, medizinisch Keratoconjunctivitis sicca, ist der Tränenfilm nicht mehr im Gleichgewicht. Es treten Beschwerden auf. Die Symptome von trockenen Augen werden von den Betroffenen oft als belastend wahrgenommen:
- Rötung
- Brennen
- vermehrtes Tränen
- Gefühl von Sand im Auge (Reiben, Kratzen)
- geschwollene Augenlider
- Sekretbildung, verklebte Augenlider
- verstärkte Lichtempfindlichkeit
- teilweise scharfer Schmerz im Bereich des Auges
- teilweise verschwommenes, unscharfes Sehen
Die gestörte Benetzung der Augen hat zwei Ursachen: Entweder produzieren die Tränendrüsen zu wenig Tränenflüssigkeit oder die Tränenflüssigkeit verdunstet aufgrund einer ungünstigen Zusammensetzung zu schnell.
Eine zu geringe Bildung von Tränenflüssigkeit ist eher selten die Ursache trockener Augen. Häufiger ist die Zusammensetzung des Tränenfilms aus dem Gleichgewicht geraten. Zurückzuführen ist das oft auf eine Fehlfunktion der Meibom-Drüsen. Die kleinen Talgdrüsen in den Lidkanten bilden Lipide, die verhindern, dass die wässrigen Anteile des Tränenfilms zu schnell verdunsten.
Kommen Risikofaktoren hinzu, verstärkt sich das Symptombild des trockenen Auges. Der Tränenfilm wird beispielsweise durch zu seltenes Blinzeln beeinträchtigt, etwa aufgrund von Bildschirmarbeit. Auch trockene Luft, Windzug (Klimaanlagen und Heizlüfter), Tabakrauch und Allergien setzen dem Tränenfilm zu. Erkrankungen des Auges, Fehlbildungen der Augenlider, Augenverletzungen sowie chirurgische Eingriffe am Auge können trockene Augen ebenfalls verstärken.
Das gilt auch für eine Reihe von Erkrankungen, etwa Diabetes mellitus, Erkrankungen der Schilddrüse und Autoimmunerkrankungen. Bestimmte Medikamente können trockene Augen ebenfalls begünstigen, darunter Antiallergika, Entwässerungsmittel, Blutdrucksenker, Antihistaminika und Antidepressiva.
Wer über mehrere Wochen hinweg mit trockenen Augen zu kämpfen hat, sollte die Ursache abklären lassen und einen Termin bei einem Augenarzt vereinbaren. Die Behandlung erfolgt in Abhängigkeit von der Ursache der trockenen Augen.
Ein wichtiger Therapiebestandteil sind Tränenersatzmittel. Sie helfen, den Tränenfilm zu stabilisieren und die unangenehmen Symptome zu lindern. Sie sind meist als Tropfen, aber auch als Gele und Salben erhältlich. Zu den Wirkstoffen, welche den Augen Feuchtigkeit zurückgeben, gehören unter anderem:
- Hyaluronsäure (HA): Einer der am häufigsten eingesetzten Wirkstoffe. Hyaluronsäure hat ein hohes Wasserbindungsvermögen und verbessert die Befeuchtung der Augen. Sie bildet einen schützenden Film auf der Augenoberfläche, verbessert die Gleitfähigkeit der Augenlider und unterstützt die Regeneration der Hornhaut.
- Hydroxypropylmethylcellulose (Hypromellose, HPMC): Ist ein visköses Polysaccharid und Zellulosederivat. Es wird aus Cellulose gewonnen, dem Grundstoff pflanzlicher Zellwände. Es bildet eine schützende und befeuchtende Schicht, welche die Verdunstung hemmt.
- Carboxymethylcellulose (CMC): Ist ein Zellulosederivat und wird in Zellwänden von Pflanzen ausgebildet. Es haftet gut auf der Hornhautoberfläche und verlangsamt die Verdunstung des Tränenfilms.
- Polyvinylalkohol (PVA): Das Polymer bildet eine Schutzschicht und lindert Brennen und Fremdkörpergefühl. Ist etwas flüssiger als HPMC und CMC.
- Povidon (Polyvinylpyrrolidon, PVP): Das Polymer verbessert die Haftung von Augentropfen auf der Hornhaut, wirkt befeuchtend und lindert Reizungen.
- Lipidhaltige Tropfen oder Sprays: Präparate mit Ölen, welche die Lipidschicht des Tränenfilms stabilisieren. Sie werden zum Beispiel bei Dysfunktion der Meibom-Drüsen eingesetzt, um der Verdunstung des Tränenfilms entgegenzuwirken.
- Isotonische Kochsalzlösung (NaCl): Die enthaltenen Elektrolyte/Salze kommen im Tränenfilm natürlicherweise vor. Sie unterstützen die Zusammensetzung des Tränenfilms. NaCl wird vor allem bei leichten Beschwerden eingesetzt.
Bei leicht geröteten, juckenden Augen können Betroffene einen Therapieversuch mit isotonischer Kochsalzlösung unternehmen. Bei milden Beschwerden kommen außerdem Hypromellose, Povidon und Polyvinylalkohol zum Einsatz. Bei mittleren bis stärkeren Beschwerden haben sich Hyaluronsäure und Carboxymethylcellulose bewährt. Lipidhaltige Tropfen finden vor allem bei einer Störung der Meibom-Drüsen Anwendung.
Augenärzte raten, Augentropfen ohne Konservierungsmittel zu wählen. Dies ist besonders bei häufiger Anwendung von Tränenersatzmitteln bedeutsam, da Konservierungsmittel die Augenoberfläche reizen und ein Allergierisiko bergen können.











