Pille, Spirale und Co. sind längst kein Tabuthema mehr – trotzdem bleibt vieles unbesprochen. Ein Überblick über Methoden, Wirkungen und Nebenwirkungen.
Die Tatsache, dass in unserem Alltag mittlerweile alles nach Optimierung ruft, macht auch vor unseren Lieblingsbeschäftigungen nicht halt – und auch nicht vor Sex. Für beinahe jeden Aspekt gibt es praktische Ratschläge in Wort und Bild, die unterschiedlichsten Formate von Beratung und natürlich auch Podcasts. Mit einem Satz allerdings ist seit Jahrzehnten bei jedem Erstkontakt sicher zu rechnen, in dem Moment nämlich, wo das Vorspiel langsam zu Ende geht und es richtig lustig wird: „Du verhütest doch, oder?!“
Kommt es mir nur so vor, oder wurde diese Frage traditionell vorwiegend an uns Frauen gerichtet? Ein Blick in die Statistik hilft. Rund drei Viertel der sexuell aktiven Erwachsenen in Deutschland wenden Verhütungsmittel an. Ganz oben im Ranking steht inzwischen das Kondom mit etwa 51 Prozent, gefolgt von der Pille mit etwa 31 Prozent. Die Pille verliert also deutlich an Bedeutung, während das Kondom wieder die Nummer eins ist.
Hormon- und Kupferspiralen kommen zusammen inzwischen auf etwa 15 Prozent. Sterilisation – ja, der Begriff wird weiterhin verwendet, medizinisch spricht man beim Mann auch von Vasektomie und bei der Frau von Tubensterilisation – machen beim Mann etwa 6 Prozent und bei der Frau etwa 3 Prozent aus, bedeutsam eher bei Ü-40-Jährigen. Bei Frauen zwischen 30 und 39 verschiebt sich die Statistik zugunsten der Spirale, die dann deutlich häufiger als in jüngeren Jahren bevorzugt wird.
Pille: Eingriff in Frauenkörper
Obwohl Verhütung heute glücklicherweise kein Tabu mehr ist, wird die Frage, wie sich bestimmte Verhütungsmethoden auf den weiblichen Organismus auswirken, noch nicht so richtig gern vertieft. Kein Wunder: Zwar gilt die Pille, ob nun als Kombipräparat mit den Hormonen Östrogen und Gestagen oder als Monopräparat nur mit Gestagen, als zuverlässiger Schutz vor unerwünschter Schwangerschaft. Sie ist und bleibt aber ein hormoneller Eingriff in die Biologie der Frau, der zudem für viele bereits in der Pubertät beginnt.
Die synthetischen Hormone im jeweiligen Präparat können als Nebenwirkung zu erhöhtem Blutdruck führen, das Risiko für venöse Thrombosen und – je nach individueller Risikolage, etwa Rauchen, Migräne mit Aura, Bluthochdruck oder Thromboseneigung – auch für Schlaganfall oder Herzinfarkt erhöhen. Ebenso möglich sind Leberwertveränderungen, Stimmungsschwankungen, Libidoveränderungen, Wassereinlagerungen oder Kopfschmerzen. Für einzelne Autoimmunerkrankungen werden Zusammenhänge diskutiert, die Datenlage ist aber nicht so schlicht wie „Pille schwächt das Immunsystem“. Sogar das Brustkrebsrisiko kann geringfügig ansteigen.
Kann Akne lindern
Eine passende Pille kann auch therapeutische Wirkungen haben. Sie kann zum Beispiel helfen, überschüssiges Wasser aus dem Körper auszuschwemmen oder Beschwerden wie Akne und Haarausfall zu lindern, die durch einen Überschuss an männlichen Hormonen entstehen. Außerdem wird sie zur Behandlung von PMOS (einer hormonellen und stoffwechselbedingten Erkrankung der Eierstöcke, die früher PCOS genannt wurde), Gewebeverwachsungen in der Gebärmutter, starken Blutungen, starken Regelschmerzen oder einem unregelmäßigen Zyklus eingesetzt.











