
Viele Betroffene scheuen sich, zum Arzt zu gehen. Besonders eine Dranginkontinenz, also eine nasse, überaktive Blase, ist vielen unangenehm und wird oft tabuisiert. Doch ärztliche Abklärung ist wichtig, auch um ernste Ursachen auszuschließen. Eine Therapie kann die Beschwerden meist deutlich lindern und manchmal sogar ganz beseitigen.
Laut der Deutschen Kontinenz Gesellschaft e. V. ist eine überaktive Blase eine Ausschlussdiagnose. Die Diagnose wird erst gestellt, wenn trotz ausführlicher Diagnostik keine Erkrankung als Ursache für die Symptome gefunden wird. Im ersten Schritt schließt der Urologe oder Gynäkologe eine Infektion aus. Dafür untersucht er den Urin des Patienten oder der Patientin.
Auch geben ein Ultraschall von Blase und Harnwegen sowie gegebenenfalls eine Blasenspiegelung Hinweise auf die Ursache. In manchen Fällen wird eine Blasenfunktionsprüfung durchgeführt. Auch ein Miktionstagebuch, in dem Betroffene Trinkmenge und Toilettengänge notieren, helfen, das Ausmaß der Beschwerden einzuschätzen. Abhängig von der ermittelten Ursache wird die Therapie zusammengestellt.
Neben Medikamenten, die das Nervensystem der überaktiven Blase regulieren, sogenannte Anticholinergika, ist Beckenbodentraining eine wichtige Säule der Reizblasentherapie. Es stärkt die Blasenmuskulatur, trainiert die Stützfunktion des Halteapparates, fördert die Funktion des Blasenschließmuskels und unterstützt so die Blasenkontrolle.
Des Weiteren ergänzen Toilettentraining, Harnhaltestrategien und Entspannungsübungen die Behandlung. Auch eine Stimulation der Beckenbodenmuskulatur durch elektrische Impulse kann gegen die überaktive Blase möglicherweise helfen. Hierfür wird eine Elektrode in der Vagina oder im After platziert oder eine Elektronadel gesetzt. Der Stromimpuls soll die Aktivität des Blasenmuskels verringern. Auch das Spritzen von Botulinumtoxin (Botox) kann die Aktivität des Blasenmuskels herabsetzen. Unter bestimmten Umständen kann eine psychotherapeutische Begleitung empfehlenswert sein.
Außerdem können Betroffene selbst einiges zur Symptomlinderung beitragen. Bei Übergewicht kann eine Gewichtsabnahme den Druck auf die Blase in vielen Fällen lindern und die Beschwerden verbessern. Auch sollten Betroffene versuchen, Verstopfung entgegenzuwirken, da diese den Druck auf den Beckenboden verstärkt und die Blase reizen kann. Ein Rauchstopp ist ebenfalls ratsam.
Der Verzicht auf Alkohol, Cola, schwarzen Tee, grünen Tee und Kaffee hilft vielen Betroffenen, denn diese Getränke reizen die Blasenschleimhaut. Beim Genuss von scharfen Gewürzen bemerken viele Betroffene ebenfalls eine Zunahme der Beschwerden. Oft sind es auch saure Speisen und Getränke, welche die Blasenwand reizen. Mithilfe eines Blasentagebuchs bekommen Betroffene mit einer Reizblase gute Hinweise, welche Speisen und Getränke bei ihnen die Probleme verstärken.











