Unrealistische Margenziele?
Trotz allem gibt der Vorstand neue Margenziele aus: Die aktuell 3,8 Prozent sollen sich ungefähr verdreifachen. Denn diese Zahl heißt: An einem Auto mit einem Preis von 30.000 Euro verdient VW 1.140 Euro. Erschreckend wenig. Eine Verdreifachung der Gewinnmarge war bei VW aber selbst in guten Zeiten nicht drin. Fragt man Automobil-Experten, so halten sie sieben Prozent für realistischer – und auch das längst nicht über Nacht.
Dafür wären einschneidende Entscheidungen notwendig, doch die scheitern bislang – siehe die letzte Sitzung – am Aufsichtsrat. Neben den Arbeitnehmervertretern ist die Politik da ein starker Hebel, namentlich das Land Niedersachsen. Es hat seit über 60 Jahren erhebliche Mitspracherechte im Konzern. Die sichert ihm das sogenannte VW-Gesetz aus dem Jahr 1960. Für richtungsweisende Entscheidungen ist laut Gesetz eine Mehrheit von vier Fünfteln der Mitglieder erforderlich, im Aufsichtsrat wie in der Hauptversammlung. Niedersachsen besitzt nämlich gut 20 Prozent VW-Anteile. Damit kann Niedersachsen stark mitbestimmen und Entscheidungen gegebenenfalls blockieren.
Mächtige Politik teilt gegen VW aus
Aber wäre es nicht an der Zeit, dieses VW-Gesetz, das bereits abgemildert wurde, gänzlich zu überdenken? Politik sollte Wahlen gewinnen, weil sie gute Rahmenbedingungen schafft für die Menschen und ihre Region. Nicht, weil sie Unternehmen ihrer Region die Bedingungen ihres Wirtschaftens diktiert aus Sorge vor der nächsten Wahl.
Stattdessen teilt Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD), der immerhin selbst vor seiner Politikkarriere drei Jahre als Ingenieur gearbeitet hat, gegen das Management aus, nennt Werksschließungen „keine Zukunftslösung“. Was ist denn seine Lösung?
Und jetzt rollt auch noch Mutter EU mit neuen Plänen an: Sie will eine Allianz gegen den mächtigen Wirtschaftsstandort China und seine billigen, weil staatlich subventionierten, E-Autos schmieden. Mit Großbritannien, Japan und Südkorea will die EU gemeinsame Subventionen in Form von Kaufanreizen anbieten und Chinas Hybrid-Autos wie schon die E-Autos mit Importzöllen belegen. Weil andere Länder wie Kanada und die USA diesen Weg schon gegangen sind, landen Chinas Autos in der EU. Doch die kann nicht so viel aufnehmen, schon gar nicht, ohne der eigenen Produktion zu schaden.
Zölle belasten gerade die Autobranche besonders
Sind Zölle und Subventionen der richtige Weg? Darüber kann man trefflich streiten. Ich sehe ein „Wie-du-mir-so-ich-dir“ kritisch. Zölle sind auch ein Zeichen von Schwäche und Hilflosigkeit. Wir merken als Volkswirtschaft Deutschland gerade, wie belastet wir von den US-Zöllen sind – gerade die Automobilbranche und VW. Subventionen sind keine Strategie für die Zukunft. Genauso wenig wie es lediglich Kosteneinsparungen in Unternehmen sind.
Für die Beschäftigten bei VW zählt Perspektive. Und auch eine Belohnung, sollten sie weitere notwendige Einschnitte mittragen. Dazu muss das Management erklären, was Sache ist. Zu welchem Preis, mit welchen Aussichten. Ohne die Belegschaft geht es nicht. Für VW zählt, sich wirtschaftlicher aufzustellen, ohne politischen Gegendruck.
