Der Film mutet zunächst – und auch im Verlauf immer mal wieder – albern an, behandelt aber aktuelle und gesellschaftlich relevante Themen.
Weißwurstkönigin, Zwiebelkönigin, Spargelkönigin und Honigkönigin – das sind nur vier von unzähligen bayerischen Produktköniginnen im Münchner „Tatort“. Er lief erstmals im Oktober 2023 und wird am Sonntag, dem 24. Mai 2026, im Rahmen der Sommerpause erneut um 20.15 Uhr im Ersten gezeigt. Das erwartet das Publikum.
Im Umfeld der Königinnen hat sich offenbar ein Mordversuch ereignet: Jemand hat Josef Gehrling (Wolfgang Fierek), den Präsidenten des Bavaria-Bundes, mit einem Bolzenschussgerät attackiert – kurz vor dem Königinnentag. Er lebt noch, liegt auf der Intensivstation. Jetzt ermitteln die Hauptstadtkommissare Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Batic (Miroslav Nemec) auf dem Land.
Der Krimi von Drehbuchautor Robert Löhr und Regisseur Rudi Gaul kommt teils aufgrund von Bildern und Hintergrundmusik wie eine Parodie auf Produktköniginnenwahlen in der Provinz daher. Doch er hat sich eines ernsten Themas angenommen: Gehrling nutzte seine Macht als Präsident gegenüber den jungen Frauen, die ihren Traum verwirklichen wollen. Mordmotive gibt es viele. Von sexuellen Übergriffen, verbaler Gewalt und Machtmissbrauch ist die Rede. Kurzum: Der Fall dreht sich um MeToo in einer etwas anderen Branche. Es geht auch um das Wegschauen, um das Decken mächtiger Personen. Darin ist besonders die Organisatorin des Königinnentages, gespielt von Veronica Ferres, gut.

Man fühlt sich erinnert an den Skandal um den inzwischen verurteilten Hollywoodproduzenten Harvey Weinstein. Der Skandal, der im Oktober 2017 um die Welt ging und die MeToo-Debatte insbesondere in der Filmindustrie ins Rollen brachte. Auch der Fall rund um den inzwischen verstorbenen US-Geschäftsmann Jeffrey Epstein schwirrt noch in unseren Köpfen. Er wurde 2019 angeklagt, weil er einen Missbrauchsring zur Ausbeutung Minderjähriger betrieben hat – unterstützt von seiner Partnerin Ghislaine Maxwell.
Der „Tatort“ knüpft außerdem an Fälle von Transfeindlichkeit an. So beschimpft Josef Gehrling die Spargelkönigin-Anwärterin Luise (Phenix Kühnert), eine Transfrau, bei der Vorauswahl in ihrer Stadt aufs Abartigste. Er will, dass sie ihre Bewerbung zurückzieht, mault sie an: „Es ist eigentlich völlig ausgeschlossen, dass Sie gewählt werden. Wahrscheinlich rechnen Sie sogar mit einer Niederlage, um das Ganze dann auf Diskriminierung zu schieben. […] Dieses Gender-Diversitäts-Gaga, diese Spielverderberei. Immer gibt’s eine Minderheit, die muss in die Suppe spucken.“













