Forscher widersprechen alter Annahme
Das kann die Fruchtbarkeit von Männern erhöhen
25.03.2026 – 12:57 UhrLesedauer: 2 Min.
Neue Forschung zeigt: Längere sexuelle Abstinenz wirkt sich negativ auf die Qualität von Spermien aus. Was laut Forschern für die männliche Fruchtbarkeit entscheidend ist.
Ein britisch-deutsches Forschungsteam hat mehr als 170 Studien ausgewertet und kommt zu einem überraschenden Ergebnis: Die Dauer der sexuellen Abstinenz beeinflusst die Qualität von Spermien deutlicher als bislang gedacht. Die Ergebnisse erschienen im Fachjournal „Proceedings of the Royal Society B“.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Männern bislang zwei bis sieben Tage Enthaltsamkeit, etwa vor einer Samenspende. Genau diese Empfehlung stellen die Forscher nun infrage. Sie analysierten Daten von rund 55.000 Männern aus 31 Ländern sowie 56 Tierstudien. Ihr Ziel war es, herauszufinden, wann Spermien die größten Chancen auf eine Schwangerschaft bieten.
Das Ergebnis: Je länger Spermien im Körper gespeichert blieben, desto stärker verschlechterte sich ihre Qualität. Fachleute sprechen hier von „post-meiotischer Sperma-Seneszenz“. Das bedeutet: Spermien altern nach ihrer Entstehung weiter.
Diese Alterung bringt mehrere Probleme mit sich: Zunächst nimmt die Beweglichkeit der Spermien ab. Gleichzeitig sinkt ihre Lebensfähigkeit, also ihre Fähigkeit, eine Eizelle zu befruchten. Hinzu kommt sogenannter oxidativer Stress. Dabei entstehen aggressive Sauerstoffmoleküle, die Zellen schädigen. Auch das Erbgut der Spermien leidet: Es kommt häufiger zu DNA-Schäden.
Die Forscher erklären die hohe Empfindlichkeit so: Spermien besitzen nur begrenzte Möglichkeiten, Schäden zu reparieren. Sie enthalten wenig Zellplasma (Flüssigkeit im Inneren einer Zelle) und verbrauchen ihre Energiereserven schnell. Dadurch können sie sich schlechter gegen schädliche Einflüsse schützen.
Trotzdem zeigen die neuen Daten auch: Die Auswirkungen auf die tatsächliche Fruchtbarkeit bleiben beim Menschen eher moderat. Die Studie fand keine eindeutigen Hinweise darauf, dass längere Abstinenz die Befruchtungsrate oder die Qualität von Embryonen deutlich verschlechtert. Der Körper scheint einen Teil der Schäden auszugleichen.
Ein wichtiger Punkt: Enthaltsamkeit erhöht zwar die Spermienzahl, verschlechtert aber gleichzeitig deren Qualität. Laut der Studie entsteht hier ein Zielkonflikt. Viele Spermien nützen wenig, wenn sie sich kaum bewegen oder beschädigte DNA enthalten.
Die ideale Dauer hängt demnach vom Ziel ab. Bei künstlicher Befruchtung, bei der eine ganze Samenprobe genutzt wird, kann ein mittlerer Zeitraum sinnvoll sein. Bei der sogenannten ICSI-Methode (dabei injizieren Ärzte gezielt ein einzelnes Spermium in die Eizelle) könnte eine kürzere Abstinenz Vorteile bringen.
Auch andere Studien deuten in diese Richtung. Eine Untersuchung mit mehr als 450 Paaren zeigte: Bei maximal 48 Stunden Enthaltsamkeit lag die Schwangerschaftsrate bei gut 54 Prozent. Bei zwei bis sieben Tagen waren es nur knapp 45 Prozent.
Die neuen Ergebnisse sprechen also dafür, dass zu lange sexuelle Abstinenz nicht automatisch die Fruchtbarkeit verbessert. Im Gegenteil: Regelmäßige Ejakulation kann die Qualität der Spermien fördern. Die Forscher betonen jedoch: Die Effekte fallen insgesamt eher klein aus. Paare mit Kinderwunsch sollten die Ergebnisse deshalb als Orientierung und nicht als starre Regel verstehen.












